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Polen
L8. Juni nach Kauen verfolgt; auch Kreutz rückte iuLitauen ein. Kaneu wurde von den Russen genom-men, 600 M. gefangen u. 600 M. zersprengt. Chla-powski verband sich in Kieidani mit Gielgud, mußteaber mit diesem, vom Feinde stets verfolgt, 12.Julisich auf preußisches Gebiet bei Schweigsten u. Lan-gallen zurückziehen; am 13. Juli erschoß der Lieute-nant Skalski Gielgud. Am 15. begab sich auch dasRohlandsche Corps, von Sacken u. Kreutz gedrängt,bei Coadjuthen über die prenß. Grenze und strecktedie Waffen. Das Chlapowfkische Corps war noch2000M. Infanterie, 500 M. Cavalerie u. 6 Kano-nen, das Rohlandsche Corps 2500 M. Infanterie,500 M. Cavalerie u. 19 Kanonen stark. Waffen u. Ka-nonen wurden von Preußen dcnRussen ausgeliefsrt.JnDembiuskisCorpsherrschtenochdiebesteDiSciplin.Dasselbe zählte 3830 M. u. führte einen glänzendenRückzug, allerHindernisse spottend, auf Warschau aus,wo es, noch etwas über 3000 M. stark, 4. Aug. ein-tras. Am 7. Juli hatte indessen der Vortrab desruss. Hauptheercs, welches 62,000 M. Infanterie,15,000 M. Cavalerie u. 300 Kanonen zählte, Plockbesetzt. Paskewitsch wollte seine Truppen über dieuntere Weichsel setzen, um Warschau von der weni-ger geschützten W Leite angreifen zu können. DiePreußen unterstützten ihn nach Kräften. In War-schau arbeitete Alles an den Festungswerken. DerWeichfelübergang der Russen geschah bei dem DorfeOjsiek, 1^ Stunden unterhalb Nieszawa, 17.—19.Juli. Auf dem linkenWeichselnfer angekommeu, er-ließ Paskewitsch sofort eineProclamation, welche denBauern gebot, die Waffen niederzulegen und nachHause zu gehen, deuWiderspänstigen aber androhte,von ihren Familien getrennt und nach dem inner»Rußland geführt zu werden. Dieser Aufruf hatteErfolg. Zugleich war der russ. General Dombrowskizum Chef der provisorischen Negierung ernannt wor-den u. setzte nun Alles in den Stand vor der Revo-lution. Als Skrzynecki den Weichselübergang derRussen erfuhr, zog er sogleich die Truppen von Plockzurück, nahm dann Stellung bei Nieborow, die erjedoch 6. August wieder aufgab, um sich über denRawkabach und von da, nachdem die Rüsten durchRüdiger noch weitere Verstärkungen erhalten, überSzymanow u.Kaski gegen Warschau zurückzuziehen,während die Russen immer weiter vordrangen undRosen bereits 20. Aug. einen Sturm auf Pragaunteruahm, der jedoch mißglückte.
Wahrend dieses im Felde geschah, war in War-schau 20.April der größere Reichstag berufen wor-den, entzweite sich aber, nachdem er die Mittel zurDeckung der dringendsten Kriegsschäden bewilligt,wegen Feststellung der Verhältnisse der Bewohnerder allen poln. Provinzen zu dem jetzigen KönigreichP. mit der Regierung. Seitdem war die ThcilungderRegierung u. des Reichstags in die aristokratischeu. demokratische Partei entschieden. Die aristokrati-sche Partei, aus dem höheren Adel bestehend, wollteVersöhnung mit Rußland uuter ehrenvollen Beding-"»gen, Anfrechthaltuug ihrer alten Privilegien, Be-setzung der höchsten Stellen mit Männern aus ihrerPartei (Chlopicki, Radziwill, Skrzynecki, Czartoryskiu. die meisten Regierungs- u.ReichstagSmitgliedcr);bie demokratische Partei (der patriotische Club mitLelewel ».Pulawski u. die meisten jungen Leute vomNiedern Adel, fast alle jungen Offiziere u. Beamte u, f
(Gosch.).
viele BürgerWarschaus) war für die entschiedenste»Maßregeln, verlangte Gleichheit der Rechte und sahin jedem Mißgriff, in jedem verunglückten PlaneVerrath. Beide Parteien lagen im heftigsten Zwie-spalt und Skrzynecki wurde von den Clubisten, weiler kein- Schlacht lieferte, geradezu verdächtigt. Baldpflanzte sich dieser Geist auch aus die bei Warschauim Lager stehende Armee fort. Die Zahl der Anti-reformer wurde sehr groß u. di- Rozierung war zuschwach, diesen bösenGeist zu dämpfen. Der Unwillegegen Skrzynecki stieg derart, daß man 9.Aug. eineVolksbewegung in Warschau fürchtete, weshalb derReichstag u. die Negierung nachgab und eine Com-mission, den Fürsten Czartoryski an der Spitze, iudas Lager absendete, um die Klagen gegen dev Ge-neralissimus zu untersuchen. Diese Deputation kam10.Aug. im Lager beiBolimow an, konnte aber auskeine Weise Skrzynecki bewegen, eine Schlacht zu lie-fern, weil eine solche, jetzt geliefert, verloren werdenmüsse und zum Fall Warschaus führen werde; alsmit dieser Ansicht Lkrzyneckis auch ein versammelterKriegsrath sich einverstanden erklärte, gab die Com-mission die Idee einer Schlacht auf, entsetzte aberSkrzynecki des Commandos, mit welchem uun Dem-binski betraut wurde. Dieser kam 11. Aug. an, sprachsich unzufrieden mit der Entsetzung Skrzyueckis ausn. erklärte, selbst nur auf 60 Stunden den Oberbe-fehl zu übernehmen; Dembinski mußte aber dannde» Oberbefehl behalten u. 14. Ang. Ordre zu demRückzuge nach Warschau geben.
Jetzt brach eine aus dem Club hervorgegangeneVerschwörung aus, welche die Einsetzung einer Re-gierung aus 15 der geachtetsten Männer P-s untereinem Triumvirat (Lelewel als Repräsentanten desReichstages, Pulawski als dem der Nation und Za-liwski als dem der Armee) verlangte. Die Zusam-menrottungen am Nachmittage des 15. Aug. endetenmit den Blutscenen der Nacht. Die Generale Jan-kowski, Hurtig, Bukowski u. Andere wurden von denDemokraten ermordet; etwa 35 Leute verloren dasLeben; der Fürst Czartoryski u. Joh. Lubienski ent-gingen gleichem Schicksale nur durch die Flucht. Nochin der Nacht rief das Volk den General Krukowieckizum Präsidenten aus. Aber auch dieser vermochtenicht die Ordnung wiederherzustellen. Dies geschaherst, als ein Infanterie- und ein Cavalerieregimentaus dem nahen Lager einrückten. Am Morgen des16. Aug. ging Barzikowski, von der Negierung be-vollmächtigt , iu das Lager ab, um Proudzynski zurÜbernahme des Oberbefehls zu veranlassen, und-nachdem sich dieser der Mitwirkung Krukowicckis-versichert hatte, nahm er die Stelle an. Dem-binski erließ eine Proklamation an das Heer, wo-rin er die Vorgänge am 15. Ang. als verbrecherisch-darstellte und erschien am 17. Morgens mit seinemGeneralstabe, Prondzynjki, Czartoryski und 2 Es-cadronS im Regierungspalast zu Warschau, nm dortzu erklären, daß Proudzynski den Oberbefehl nieder-gelegt habe u. er selbst denselben nebst höchster Re-gierungsgewalt als Dictator ergreifen werde. Erwollte Pulawski u. andere Clubisten vor ein Kriegs-gericht stellen, wurde danu aber ängstlich u. verließ,eilig Warschau. Krukowiecki umgab nun Len.Reichstag mit Truppen u. von ihm zum Präsiden-teu gewählt, suchte er alle Parteien zu gewinnen n..fdie verantwortlichen Minister aus allen Parteien zv: