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Bd. 14 (1879) Ostindienfahrer - Radeburg
Entstehung
Seite
510
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S10

Polen (Gesch.).

wählen. Der neue Gouverneur Warschaus, Choza-nowski, ließ die Patriotische Gesellschaft schließen; vonden Anstiftern der Morduacht wurden nur 4 Leute-aus dem niedrigstenPöbel 24.Aug. erschossen. Schon20. August entzweite sich Krukowiecki mit Dembiuskiüber Skrzynecki u. ent-ctzte ihn seines Commandos,welches ec dem alten General Malachowski übertrug.

Krukowiecki wollte die Revolution möglichst raschbeenden u. glaubte dies nur durch die Schwächungder Widerstandskräfte erreichen zu können. Anstattdarum alle Kräfte znrVerlheidignng Warschaus zu-sammen zu raffen, entfernte er, zumal Mangel anLebensmittel ihm einen Lorwandbieten konnte, »ich-rere Corps von Warschau. Gegen 24,000 Mannwurden weggesandt, darunter das Corps Ramorino.Nur 34,00oMann blieben mit 60,000 Mann wenig»iitzenden National- n. 20,000 Mann L-icherheits-garde zur Vertheidigung in Warschau. Ramorinotrieb denGeneralRosenzurück, verproviantirteWar-schau auf zweiMonate, kam aber zu spät wieder an.Durch keine dieser Bewegungen hatte indessen Pas-kewitsch sich beirren lassen, sondern seine AnstaltenzumAngriff anfWarschanfortgesetzt; Kreutz ».Geismarwaren zn ihm gestoßen, so daß er jetzt 84,000 Mannzählte u. den Angriff auf Warschau, bevor diezurückgekehrte Macht Namorinos die Zahl der Polenum fast 20,000 Mann mehre, beschloß. Vorher sandteer aber den General Dannenberg zn den Polen. P.sollte den Kaiser als Herrn anerkennen, Warschauübergeben n. eine Deputation zu dem Kaiser geschicktwerden, um seine Verzeihung für Alles, was seit dem29. Nov. geschehen sei, zn erflehen n. um den Fort-bestand P»s als besonderen Staates zu bitten. Kru-kowiccki fand diese Vorschläge annehmbar, dagegenbestand die Mehrzahl des Reichsraths darauf, daßvor Allem Rußland die Vereinigung Litauens undVolhyniens mit P. zugestehen sollte. Deshalb zer-schlugen sich die Unterhandlungen. Immer engerwar schon in den letzten Tagen des August die Ein-schließung geworden und alle Vorbereitungen zumSturm wurden getroffen. Am 6. Sept. griffen dieRussen die erste LiniederVerschanzungen an, diepol-nischen Generale waren wiederuni uneins u. verlorendie wichtigen Schanzen bei Wola n. Radowice. Diein der Stacht von Krukowiecki anPaskewitsch in Aus-sicht gestellte Unterwerfung Warschaus scheiterte amWiderstande des Reichstages. Am 7. Septemberbegannen die Russen wieder Len Angriff und nah-men die zweite Schanzenreihe. Krukowiecki versuchteneue Unterhandlungen. In einer schwach besuchtenReichstagssitznng erhielt er endlich die schriftlicheBevollmächtigung, die Capitulativn nach eigenerEinsicht zu schließen; als sich aber dagegen in derStadt Opposition erhob, dankte Krukowiecki alsDictator ab u. begab sich sogleich zur Armee. Derruss. Unterhändler, General Berg, aber erklärte, daßer mit Niemand anders als mit Krukowiecki zn un-terhandeln Auftrag habe u. drohte, wenn 8. Sept.um 4 Uhr Morgens die Capitulativn nicht unter-zeichnet sei, werde der Sturm ans die innere Stadtbeginnen. Endlich kam 8. Sept. gegen Morgen eineMilitärconvention zwischen den« Genera! Berg rus-sischer- u. dem Generalissimus Malachowski n. demneuen Vicepräsidenten der Regierung, Oberst Zie-linski, polnischcrseitszu Stande, der zufolge 8. Sept.die Stadt Warschau von de» poln. Truppen geräumt

werden u.daspoln.HeernachPlockziehen, Warschauaber, die Brücke u. Praga, das Batteriegeschütz undalle Munitionsmagazine den Raffe» übergeben wer-den sollten. Wer der Armee folgen wollte, sollte 48Stunden Zeit dazu haben. Sogleich wurden dieeinzelnen Detachements nach Praga u. Modlin diri-girt. In Modlin legte General Malachowski 9. Sept.den Oberbefehl nieder, welcher dem General Rybin-ski von einem Kriegsrath übertragen wurde. Mitder Armee verließen auch Mitglieder des Reichs-tages, die Zeitungsschreiber, Tlubmitglieder rc.Warschau. Am 8. Sept. gegen Mittag rückten diernss. Garden mit dem Großfürsten Michael in War-schau ein. Die strengste Mannszncht wurde in War-schau gehandhabt, die politischen Vereine verboten,die Naiionalgarde aufgelöst und die Ablieferung derWaffen befohlen. Viele poln. Generale blieben l-Warschau zurück. Truppen folgten beobachtend d-poln. Armee und machten jede Vereinigung Ramo>rinos mit ihr unmöglich. Die Schlacht von War-schau hatte Len Polen 4—5000 Mann gekostet.

Das poln.Hanptheer unter Rybinski wurde durchdas Lnbienskische Corps auf 30,000 Mann verstärkt.Rozycki stand, 12,000 Mann stark, im Sandomir«scheu und Krakanschcn. Ramorino war auf demMarsche gegen Warschau; anstatt aber sich bei Mod-lin mit Rybinski zu vereinigen, wandte er sich süd-lich, verlor Lurch Desertion sehr viele Lentc, mußtein der Nacht zum 47.Sept. bei Chwalowice ans sieösterr. Grenze u. streckte dort, noch über 9000 Man»mit 40Kanonen stark, 18. Sept. die Waffen. GeneralRozycki machte am linken Weichselnfer Rüdiger je-den Fuß breit streitig, mußte aber stets zurückweichen,da er ohne Hilfe blieb u. trat 25. Sept. ans KrakauerGebiet über. 'Nun war nur noch dieHauptarmeeunterRybinski inder Umgegend von Modlin übrig.Hier herrschte die Partei der alten Offiziere »ochvor, die Len immer excentrischer gewordenen Reichs-tag haßte und denselben »ach Zakroczyn verwies.Dort im Kapnzinerkloster wurde der Reichstag11. Sept. wieder eröffnet, allein seineKraft war ge-brochen u. er beschränkte sich fast nur ans Declauia-tionen. Als die Hoffnung zn friedlicher Ausgleichungimmer mehr schwand, zogen Armee und Reichstag20. Sept. nach Plock. Nochmals ließ PaskewitschAmnestie anbietcn, wenn man sich unterwürfe, Mod-lin räume u. in der Wojwodschast Plock bliebe undeinKriegsrath, 24. Sept. inSlupno gehalten, nahmdiese Bedingungen an. Da aber die Truppen dar-über in die größte Aufregung gsriethen, so beschloßder Rest des Reichstages nochmals die Fortsetzungdes Kampfes u. dieVcrcinignng mit Rozycki. Aber fbereits 25. Sept. verließ der Reichstag Plock, m» ^unter der Bedeckung mehrerer poln. Cavalerieregi- fmenter sich über Rypin auf prenß. Gebiet zu di- !-geben, wo sie 27. Sept. anlangten. Die Russe« k-umgarnten die poln. Armee immer mehr, immer ^drückender wurdendie Bedingungen, unter denen sich stdie Polen ergeben sollten. Rybinski versuchte verge- k-bens, sich Lurchznschlagen und führte endlich zufolge seeines Kricgsrathes in Skompe 5. Oct. bei Straß- ^bürg die Armee auf prenß. Gebiet; sie streckte, noch f,24,008 Mann mit 95 Geschützen stark, die Waffe», z-welche den Russen ansgeliefert wurden. Modlin mrt6200 M. ergab sich 9. Oct. u. Zamosk mit4200 M-23. Oct. den Russen; die Revolution war besiegt.