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Polen
Landbote Roman Soltyk 22. Jan. beim Reichstagedie Ausschließung des Hauses Romanowvon dem Throne P-s vorgeschlagen und dagleichzeitig zwei Proclamationeu des FeldmarschallsDiebitsch au die polnische Nation u. die Armee un-bedingte Unterwerfung verlangten, so ging der Vor-schlag 25. Jan. mit großer Stimmeninehrzahl durch.Hierdurch war auch die letzte Aussicht zu einer Aus-gleichung mit Rußland genommen u. der Krieg ent-schieden. Chlopicki hatte nicht genügend P-s Wehr-kraft organisirt. Im Ganzen konnte P. den Russengegen 130,000 M., darunter aber nur 52,000 M.alter Truppen mit nur i36Kanonen, entgegenstellen.AußerJnfanteriegewchren fehlte eS hauptsächlich anKanonen und Pulver, in P. gab es keine Kauonen-gießerei, keine Pulverfabrik. Die Finanzen P-s be-fanden sich allerdings durch den Finanzmiuister,Fürst Lübeck!, in gutem Stande; aber sonst war Allesmangelhaft u. auf auswärtige Hilfe konnte P. garnicht rechnen, wenn sich ihm auch die Sympathiennamentlich des westl. Europas u.zum TheilDeutsch-lands znwandten, während die beiden deutschen Groß-mächte Observationscorps an ihren Grenzen gegen P.hinanfstellten. Die rnss.Gesammtmacht,!lber118,000M., wurde unter Feldmarschall Diebitsch gestellt u.in den poln. Provinzen Litauen, Volhyuieu, Podo-lien u. der Ukraine, selbst Livland und Kurland, woschon im Dcc. 1831 der Kriegszustand erklärt wor-den war, wurden überall Verhaftungen oder Ver-weisungen in das Innere Rußlands vorgenoinmen.Am 5. u. 6. Fcbr. überschritt Diebitsch mit 94,300Mann und 330 Kanonen die Grenze. Die Polenconcentrirteu sich vor Warschau. General Dweruickiwarf 14. Febr. mit etwa 3800 M. bei Stoczeck dieruss. Avantgarde unter General GeiSmar. Rasch zogsich Geismar auf die Hauptarmee zurück, währendDweruicki 19.Febr. bei Nowemiasto dicAvantgardcdes russ. Generals Kreutz unter dem Prinzen Adamvon Württemberg schlug. Mittlerweile war die russ.Hauptarmee gegen Warschau anfgebrochen. DiePol». Division Skrzynecki hielt bei Dobre lange dasCorps des Generals Rosen ans, focht 15. n. 17. Febr.mit Erfolg, deckte den Rückzug dsrDivisionZymirskiu. zog sich erst, als das 4. poln.Jufantcrieregiinent4 Angriffe mit dem Bajouuet znrückgeschlageu hatte,nach Oseucizua zurück. Am 18.Febr. vereinigte sichSkrzynecki bei Oknniew mit der Division Szembek,um sich mit ihr nach Grochow znrückznzichen, wo diePolen,nachdem dieDivisioneuKrukowieckiu.Zymirskizu ihnen gestoßen u. sie so 60,000 M. stark geworden,eine Schlacht auznnehmen beschlossen. Die Schlachtbei Wawre blieb unentschieden, 19. Febr., kosteteaber zumal den Russen viele Leute. Als Letztere dannmit frischen Truppen unter Diebitsch, Toll n. Neid-Hardt heranzogen, mußten die Polen weichen undSzembek u.Zymirski sich hinter Wawre ziehen. Am20. Febr. schloß Diebitsch, um sich zu verstärken,einen 48stündigen Waffenstillstand. Am 24. F-ebr.kam es bei Bialolenka zu einem hitzigen Gefecht: diePolen mußten das Dorf räumen, nahmen es jedochunter Krnkowiecki 25. Febr. Morgens wieder. Aufdenselben Morgen hatte Diebitsch eine allgemeineVorrückung der Hauptarmee gegen Grochow be-fohlen. Den Schlüssel der Stellung, ein Erlenholz,Utnßten die Polen nach heldenhaftem Ringen anf-geben, ihre Generale waren unter einander uneins,
(Gcsch.).
u. endlich am Abend wichen die Polen. Radziwillbefahl nun den Rückzug nach Praga n. trat, als ihmder Kriegsrath 26. Febr. lebhafte Vorwürfe überdie Schlacht von Grochow machte, vom Commandvzurück, welches nun skrzynecki übernahm, der aberden endlichen Sieg für unmöglich hielt. Äleichwolbelebte seineProclamation den gesunkenenMuth desHeeres und der Stadt Warschau, wo Deputationenschon um Capitulation baten u. des Reichstags, wo27. Febr. nur 27 Mitglieder erschienen. Das russ.Hauptquartier, welches schon in Praga gewesen war,wagte angesichts der erlittenen Verluste (bei 10,000M.) keinen Sturm ans Warschau u. ging nach Mi-losnazurück. Geismar blieb mit etwa 10,000M. u.20 Kanonen vor Praga stehen, wich aber 9. Märzans Grochow zurück. Dweruicki warf beiKnrow denGeneral Kreutz, besetzte 4. März Lublin und den 6.Krasnotaw. Diebitsch verlegte nun seinHanptquar-tier nach Sienica n. sandte Witt 13 Bataillons zuHilfe. Witts Avantgarde unter General Mnrawiewbesetzte 7. März Pnlawy, nöthigte die Polen unterSierawski u. Dweruicki Uber die Weichsel und nachZamosk znrückzugehen u. überfiel 11.März Lublin,skrzynecki hielt indessen den General Geismar infortwährender Thätigkeit u. Ende März nahm dasganze russ. Heer eine Flankenbewegung links n. seinHauptquartier in Ryki, um den Übergang über dieobereWeichsel zu versuchen. Mit 30,000 M. beschloßSkrzynecki nun das russische Centrnm an der Ünter-Weichsel zu durchbrechen, ging unbemerkt 12. MärzMittags über die Weichsel, vereinigte sich mit Giel-gnd u. ihcilte sich dann in 2 Colonnen. GeneralKickiging mit dem Vortrab auf der Straße von Grochowvorwärts. Die Nacht verbarg die Bewegung der Po-len. Kicki griff3l.März dieRnssen an u.sprengte, daRybinskis Lavalerie unbemerktdie Chaussee hinter denRussen schon erreicht hatte, das Corps des GeneralsGeismar, etwa 5—6000M. stark, dessen Rest sich ansRosen bciDembeWielkieznrückzog. HierschlngSkrzy-uecki den GeneralRoseun. verfolgte ihm.April scharf.Am 3. April begann Skrzynecki den Rückzug. WährendDiebitsch nun den Übergang an der Ober-Weichselansgeben n. sich gegen Lukow wenden mußte, fandSkrzynecki Rosen vor Siedlce, unweit des DorfesIganie; der polnische General Prondzynski griff 10.April an n. zwang die Russen zu weichen. Da aberDiebitsch in der Nacht zum 11. April seine Haupt-macht von Lnkow nach Siedlce heranzog, mußte Skrzy-necki seincnNückzng wieder anlreten. DieRnssen folg-ten vorsichtig und größere Operationen unterbliebenvorerst. Die Entscheidung des Krieges hing von dergrößeren oder geringeren Verbreitung des Aufstan-des in Litauen, Volhynicn n. Podolisn ab, welcherEnde März gleichzeitig an beiden Punkten ansgebro-chen war. Am 20. Marz nahten 6000 Insurgentender schwach besetzten Kreisstadt Rossienie, nahmendieKassen, Waffcnvorräthe n.Magazine, steckten dieweiße Cocarde ans, bestellten Kalinowski znm An-führer der Truppen und setzten eins Regierung ein.Der Aufstand griff um sich, Priester u. Adelige ver-breiteten ihn unter dem Volke. Anfangs April warSamogitien, ja selbst das Land näher an Wilna,Minsk und Dzisna in vollem Aufstand. Aus Wilnastießen bes. Akademiker zu Len Insurgenten. Ehefsdes Aufstandes waren Graf Plater, Graf Ronicker,General Kalinowski u. A.; selbst die junge Gräfin