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Polen (Gosch ).
P., Großfürst von Litauen, Rußland, Preußen, Ma-sovien, Samogitieu, Kiew, Volhynien, Podolien,Podlachien, von Plock und Witepsk, von Sewerieu,Pommerellen, Livland, Kurland, Walachei, Smo-lensk und Czarnikau. Der besondere Titel des Or-thodoxen war eine Auszeichnung der polnischen Kö-nige. Vgl. Ölrichs, Inder eonstit. st Statut, pol.,Stettin 1768; Lengnich, lluspndlionm re^ni koloni,Danz. 1742, 2 Bde.; Lelewel, Lssar sur la IsAis-
iLtienpolonLisoelvilssteriminellvzusgn'antenrpsckos iLAsllons äoxnis 930 jusgn'on 1430; Hüppe,Verfassung der Republik P., Berl. 1867.
P. ist jetzt nur noch ein geographischer Begriff u.bezeichnet man damit die russ. Gouv. Warschau, Plock,Lomza, Snwalki, SieLlce, Lublin, Radon,, Kielce,Petrokow u. Kalisch, deren Gebiet 18l5 als König-reich P. mit Rußland in Personalunion kam. Ein-geschlossen wird dieses Land von den preuß. Prov.Schlesien, Posen, West - und Ostpreußen, von denrnss. Gouv. Kowno, Wilna, Grodno, Volhynien u.von den, österr. P. Größe 127,316 s^jlcm; säst ganzflach, erheben sich nur im S. waldreiche Hügel (LyssaGora über 600 in), deren schönere Theilc die sogen.Polnische Schweiz bilden. Flüsse sind zahlreich; inden Niederungen vielfach auch Sümpfe, die haupt-sächlichsten Flüsse sind: die Weichsel, mit ihren zahl-reichen'Nebenflüssen (rechts: Dunajec,Wisloka,San,Wieprz, Narew; linls: Nida, Radomka, Pilica,Bzura), ferner Warta, Memel rc. Bon den Seensind zu nennen: Wigry, Dnzig, Seyno, Raigrod.Das Klima hat, wegen der stürmischen Nord - u.Ostwinde, nicht die Milde Deutschlands, ist jedochauch nicht so rauh wie das Rußlands. Den klima-tischen Einflüssen wird die eigenthümlicheHaar- undKopshautkrankheit des Weichselzopfes zugeschrieben.Der Boden ist im Ganzen fruchtbar u. erzeugt na-mentlich viel Getreide und Holz; von den übrigenProducten ist hervorzuheben das zahlreiche Will,in den großen Waldungen (Wölse, Bären, Luchse,wilde Katzen, wilde Schweine, Eichhörnchen, Iltis,Hermelin), Fischottern, Fische, Kermes (PolnischeCochenille), Bienen; Zink,Kupfer, Blei, Eisen, Gal-mei, Schwefel, Marmor, Alabaster, Satz, Steinkoh-len. Zahl der Bewohner (1873) 6,398,793. DerKathol. Religion gehören etwa 4Fünftel derBewoh-ner an, fast 800,000 sind Israeliten, 350,000 Pro-testanten, 230,000 Griech.-Unirte. Staatsverfass-ung s. Geschichte,S. 511. DieNationalspracheder P. ist die polnische (s. Poln. Sprache); in vorneh-men Kreisen wird sranz. u. deutsch gesprochen; durchPolizeiverordnung ist deren öffentlicher Gebrauch derpoln. Sprache (auch in Restaurationen, in Schulenselbst während der Schulpausen rc.) verboten, u. indem Gottesdienste darf ebenfalls nur die rnss. Sprachegebraucht werden, die Gebetbücher müssen in dersel-ben versaßt sein. Die Kenntniß der russ. Sprache istBedingung zur Erlangung öffentlicher Ämter. DieBildungsanstalten waren früher sehr unbedeu-tend, haben sich aber unter der russ. Verwaltung ge-hoben; in Warschau ist die polnische durch eine rnss.Universität ersetzt. Gymnasien u.Lyceen sind in allenProvinzen eingerichtet. Die Hauptbeschäftigungder P. ist der Feldbau, welcher so ergiebig an Ge-treide (des. Weizen, Roggen (Ostseekornj, Buchwei-zen, Erbsen) ist, daß auch selbst in Mißjahren nochausgeführt werden kann, ».welcher in neuerer Zeit
sich durch Eiiiführnna von Colonisten (bes. Deut-schen), deren Einrichtungen und Betrieb vielfältig^ 'Nachahmung gefunden haben, bedeutend gehoben hat.; Die Gärtnerei wird mehr von dcmAdel u. den größe-ren Gutsbesitzern betrieben, besonders in der früherenWojwodschaft Krakau u. nmWarschau; mangewinntallerlei Gemüse, alleÄrtcn Obst, selbst Pfirsiche, Apri-kosen, Nüsse. Das Holz ist nur an einigen Ortennoch gut bestanden, aber die Holzwirtlffchast ist unterrnssischerAnfsicht ziemlich geregelt worden. Die Wald-ungen nehmen ein Viertel des Bodens ein: Nadel-holz, bes. Fichten n. Kiffern, herrscht vor, doch gibtes auch schöne Eichen- n. Linden-, aber wenig Bu-chenwälder. Die Viehzucht ist beträchtlich, nament-lich ans Pferde, 'Rindvieh, mehr noch ans Schweineu. Federvieh, u. auch die Schafzucht ist in neuererZeit sehr umfangreich geworden; auch Biene» gebengroßen Gewinn. Fischerei n. Jagd, beide Regalien,sind sehr ergiebig. Industrie kannte man sonst garnicht, aber unter der rnss. 'Regierung ist sie durch dieverschiedensten Mittel gehoben worden. Der Zahlwie dem Umfange nach stehen unter den Fabrikenobenan die Spinnereien und Webereien in Wolle,Baumwolle ».Leinwand; außerdem fertigt man auchSeidenzeuge, allerhand Metall-Arbeiten, Massen,Bronzewaaren, Glas- u.Krystallwaaren, Leder, Pa-pier, Lichte u. Seife, tül, Zucker, Pottasche, chemischeProducte, Bier und Branntwein rc. Der HandelP-s steht mit seiner Fabrikthäligkeit wesentlich imEinklänge und hat sich daher wie jene ebenfalls ge-hoben. Ansgcführtwerden besonders: Gctreide(meiliüber die Ostsee), Mastvieh, Schiffsholz, Häute, Ho-nig u. Wachs. Den Klein- u. inneren Handel be-sorgen meist die Juden. An Eisenbahnen besitzt P.etwa 13001cm. Vgl. K. Andres, P. in geogr.-geschichtl,n. cnltnrhist. Hinsicht, Lpz. 1831 ; Hervel, Ethnogra-phie P-s, Wien 1871; Röpell, P. um die Mitte des18. Jahrh., Gotha 1876. Dronke. cBersassung) Laz-U.
Polen (Gesch.). Die Alten besaßen von P. nurdunkle Nachrichten; den dünnbevölkerten, waldigenLandstrich bis östl. zur Weichsel rechnete man zu Ger-manien,dasübrige zuSarmatien. Jm6.Jahrh.wa-renbereitsSlavenbiswestl.znrSaalevorgedruiigeli.Die mächtigsten unter ihnen waren diePoläne». DieSagen von Lech, Krak rc. sind historisch nicht beglau-bigt. 840 soll Piast, ein Lanomann, zum Fürstengewählt worden sein. Seine 'Nachkommen nanntensich Piasten. PiieczyslawI. wurde von dem Mark-grafen Gero von der Niederlausitz 963 unterworfenu. nahm dasLand zwischen Oder n. Warthe von Kai-ser Otto I. zu Lehn. Er wurde Christ 966, veran-taßte auch sein ganzes Volk, sich tansen zu lassenund gestattete 968 die Gründung des BisthnmsPosen, welches unter das Erzbisthum Magdeburggestellt wurde. 973 erschien Mieczyslaw auf demHostage in Quedlinburg, unterstützte nach OttosTode die Throncandidalur Heinrichs von Bayern,ebenso 984, huldigte aber 985 in Quedlinburg OttoIII. und führte 989 —90 Kriege mit den Böhmen.Er starb 25. Mai 992. Sein Sohn Boleslaw I.Chrobry, d. i. der Starke, ist der eigentlicheBegründer der Macht P-s. Er breitete das Christen-thum aus, unterstützte 992 u. 995 Otto III. gegendie Slaven an der Havel, drang erobernd bis zurSee vor, eroberte Danzig u. kriegte mit den Böhmen999 glücklich; Krakau mit der ganzen Umgegend,