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Bd. 14 (1879) Ostindienfahrer - Radeburg
Entstehung
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492
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Polen (Geogr.).

wodschaften Posen, Kalisch, Sicracz, L?nczica,Rawa,Gnesen, Brzesc, Wladijlaw, Czcrsk und Plock; auchdas Polnische Preußen wurde bei abgelrcnnter Ver-waltung dazu gerechnet u. zerfiel in Ponunerellen,Änliucrland, Niarienburg u. Ermland; Kleiu-P.init Len Wojwodschaftcn Krakau, Sandomir, Lublin,Bjellk (Podlachien;, Chelni, Belz, Lemberg (Roth-rcnßeu), Podolicn, Braclaw, Kiew od. die PolnischeUkraine und Volhynicn; Litauen mit den Wojwod-schaften Wilna, Troki, Polesieu, Nowogrodck, Minsk,Nlcislaw, Witepsk, Polock, dazu Polnisch-Livland,Samognien, Szamaiten n. endlich das Vasalleuher-zogthnui Kurland. Durch die drei Theilnugen P-sfielen an Rußland die östlichsten n. die centralen Ge.biete (480,000 sUstcw init 0 Mill. Ew.), an Öster-reich die südlichen (120,000 ßZIcm mit 3^ stNill.Ew.), an Preußen die nordwestlichen(150,000siZIcmniit 2^ Diill. Ew.). Über das von Napoleon 1807gegrnndcteHcrzogthnmWarschau, s.d. LlusdeniWie-ner Congresse wurde aus diesem, früher preußischenu. österreichischen Theilen ein besonderes KönigreichPolen gebildet, welches in Personalunion mit demrnss. Kaiserreiche stand, außerdem blieb noch einekleine RcpnblikKrakan (1260Hstcin) frei, unter demSchutze der drei Ostmächte: 1846 wurde dieses nachder Übereinkunft der drei Schntzmächtc, Österreicheinvcrleibt. Das Königreich P. erhielt eine freisin-lüge Constitution; insolgedcsAufstandcsvvu 1830/31reckor P. seine Verfassung n. wurde zufolge des or-ganischen Statuts eine rnfsische Provinz, jedoch mitabgenenntcrBerwaltung; durch das kaiserlicheEdictvom Marz 1867 wurde auch letztere aufgehoben u.P. in rnss. Gouvernements cingethcilt (s. unten).

Die P. sind ein westslavischec Stamm. Sie be-sitzen im Allgemeinen eine schöne n. kräftige Kürper-bildnng, als charakteristisch gelten die kurze Ober-lippe, stumpfe, kurze Nase, nicht hervorspriugcndcFerse und der sprichwörtlich gewordene starke, kurzeNacken. Für alle körperlichen Übungen sind sie ge-wandt, graziös, daher auch ausgezeichnete Tänzer.Leicht u. beweglich von Geist, ist bas Temperamentsanguinisch. DcrPoleist schnell zu entzünden; er liebtRuhm, Ehre, Pracht, Vaterland, und man har ihndaher den Franzosen des Nordens genannt, stiebendiesen Lichtseiten hat aber auch der polnische Cha-rakterstärke Schattenseiten; rasch Wechsel» n.schwan-ken Eindrücke u. Gefühle, Edles u. Gemeines stoßenhart aneinander; die leichte Beweglichkeit wird zurllugebundenheit und Zügellosigkeit, der leichte Sinnzum Leichtsinn, die rasche Entzündlichkeit des Ge-iiinths macht den P. zum Sklaven wilder Leiden-schaften, er ist oft jähzornig, streitsüchtig, licbtTrunkn. Spiel, und dabei fehlt die -Neigung für praktischeTHLtigkeil; überall macht sich eine gewisse Trägheitbemerkbar, bis in die obersten Schichten der Bevöl-kerung hinauf sicht man nicht selten auffallendenSchmutz neben dem reichsten Prunke, Mangel aneinfachster Bequemlichkeit neben dem rasfiuirtestenLuxus. Die Contraste von Überfluß n. Mangel, vonEleganz u. Nachlässigkeit, von Comfort und Üube-quemlichkeit, von Sittcneinfalt u. rasfiuirtem Genußhaben zndersprichwörtlichenBczeichuuugP olnisch eWirthschast geführt. Übrigens hat sich mit derZeit von diesen polnischen Schattenseiten, bes. in Lenpreußisch gewordenen Theilen, Manches znm Besse-reu gewendet, namentlich was Arbeitsamkeit u. So-

lidität betrifft. Gegen Frauen (die Polinnen sinddurch Schönheit u. Anmnth berühmt) zeigt derPoleeine ritterliche Galanterie. Die Bauern waren wäh-rend des Bestehens des poln. Staates stets leibeigenihr Leben hing von dem Edelmann ab n. sie gehör-ten zu den Gütern, mit denen sie versetzt, vertauschtverschenkt, verkauft wurden. Am besten waren dieZins- n. königlichen Bauern, d. i. diejenigen, welcheauf den Staatsgütern saßen, daran, denen di? Kö-nige oft die Freiheit schenkten; auch das Loos derBauern derGeistlichkeit war erträglich. Die fremdenCvlonisten (Hanländer) waren frei. Au einem eigent-lichen Bürgerstand fehlte es fast gariz: ein Haupt-grund der inneren Haltlosigkeit der poln. Nation.Der Adel bildete genau genommen nnr Einen Ztandund selbst der Fnrslentitel gewährte keinen höherenRang. Indessen erhielten doch einige alte Familien,wie die Radziwill, Czartorysli, Sanguszlo u. A. inöffentlichen Urkunden den Fürste» und Grascmitel,weil sie von allen polnischen u. lilanijchen Regentenherstammten. Andere angesehene Familien ließensich von fremden Monarchen in den Fürsten-undGrajeustand erheben n. diese Würde dann zuweilenvon dem Polnischen Reichstage anerkennen; so dieLnboinirskt,Jablonowski,Sullowski n.Sapieha.Auchertheilte der Polnische Reichstag 1774 den von rus-sischen Knäsen abstammendeu Massalskis und demEonjüLeralionsmarschall Poninski die fürstl. Würde.Der polnische Adel war ungemein zahlreich, manrechnet bis zu 120,000 adelige Familien, SeineVorrechte waren sehr groß. Jeder war Herr ausseinen Gütern, dcrKönig konnte wederAbgaben vonletzteren fordern, noch dort Soldaten einquartire».Das Gut fiel stets an des Edelmanns Verwandtebis in das achleGlied, ev. mußte es an andereEdel-lcnte verliehen werden. Weder der König »och dieköniglichen Richter konnten einen Edelmann mit Ar-rest belegen, es sei denn, daß der Edelmann einesVerbrechens überführt oder von drei Zeugen alsDieb angeklagt gewesen wäre. Der Adel ko mite Erz-u. Salzgrnben ans seinem Grund n. Boden aulcgenu. konnte Alles zollfrei cinführcn. Die geistlichen u.weltlichen Ehrenstcllen konnten nur durch Adeligebesetzt werden. Nnr der Adel konnte Landgüter be-sitzen, doch hatten die Bürger von Thor», Krakau,Wilna und Lublin ausnahmsweise auch daS Rechthierzu. Jeder polnische Edelmann konnte zumKömg >gewählt werden. Noch hcntcbildet üerAdcl in st. starlder Bevölkerung. Eineli starken Bestandtheil dcrEinwohnerschast von P. bildeten von jeher die Ju-den, die schon unter Bolcslaw dem Großen (982 bis1025) ins Land gekommen waren ».bald einen eige-nen Stand mit bedeutenden Privilegien ausmachteu,aber dadurch, daß sie Lurch Wuchergeschäfte fast de»ganzen Wohlstand der Grundbesitzer zerstörten, theilsals Pächter der Dorfschentcn n. Braiinliveinbremic-rcicn die Trunksucht der Polen nährten, haben fieznm Verderben P-s viel beigetragcn. In neuesterZeit ist ihre Stellung eine sehr mißliche geworden.Sie machen jetzt der ganzen Bevölkerung aus.

Staatsversassung: Unter der Herrschaft derPlasten 8421382 war P. ein absolut regierterStaat unter erblichen Königen, die zwar Bischöse u.andere Große zu Rathe zogen, aber nur als Rath-geber: die Entscheidung blieb beim König. Erst »Il-ler den Jagelloncn wurden Bischöfe und Große z»