Papierfärbcrei — Papillcn. 87
man sLrbt mit Abkochungen von Pflanzenstoffen, z.V.Indigo, Blausalz, Krapp, Fernambuk, Kurkume,Katechu rc., unter Anwendung einer entsprechendenBeize. Damit gefärbtes Papier Glanz bekommt,iiberstreicht man es nach dem Erkalten mit Knttel-wasser, d. h. Wasser, in welchem Alaun gekocht ist.Das Geschichtliche s.u. Papier. Vgl. Gabr. Planche,vo I'inänstrio äs 1a papotoris, Par. 1853 (deutschvon A. Rudel, Halle 1854, und von C. Hartmann,Wenn. 1854); B.Müller, Die Fabrikation des Pa-piers, Berl. 1855, 2. A.; L. Piette, llournal äoalllbrioants äs papisr, 1855 f.; A. Rudel, Central-blatt für deutsche P.,Jahrg. (Halle) 1850—66; Prak-tisches Handbuch der P. von Karl Hofmann, Berl.1874; Tropisch, Die Papiermaschine, Braunschw.1878. Eine Darstellung der historischen Entwickel-ung der P. findet man in Karmarschs Geschichte derTechnologie, Münch. 1872,8 35—101. Giescler.
Papierfärberei, Fabrikation der Buntpapieres. n. Papier V. n. Papierfabrikation V.
Papierform, s. u. Papicrfabrikation, S. 85.
Papiergeld (Papier-rnonnais, kaperinonozü,Papier, dem ein bestimmter Geldwerth anfgedrncktu. welches das Metallgeld im inländischen Verkehrezu ersetzen bestimmt ist. Das P. wird vom Staateausgegeben (cigentl.P.); nicht ganz richtig nennt manaber auch häufig Banknoten n. dgl. P., es sei denn,daß (wie heute in Rußland), die emittirende Bankvollständig Staatsanstalt ist, oder daß eine Privat-bank im Interesse des Staates Noten verbreitet. DasP. ist in der Regel unverzinslich (verzinsliches gehörtin die Klasse der Staatsobligalionen). Die gewöhn-lichen Benennungen desP-es sind: Kassenanweisnn-gen, Tresorscheine, Assignaten re. Die Veranlassungzur Ausgabe von P. läßt sich meist ans zwei sehrverschiedene Momente zurücksühren: entweder Er-leichterung des Verkehrs (was des. unter der Silber-währung seine Begründung hatte), oder finanzielleVerlegenheit des Staates. Im ersten Falle muß dasP.jederzeitgegenMctallgeldcinlösbarsein; im zwei-ten wird ihmZwangsconrs decretirt. In allen Fällen' sollten sämmtlichc Staatskassen zur Annahme deseigenen P-es im Nominalwerthe an Zahlnngsstattl verpflichtet sein; auch ist es eine Erfindung der Ren-p zeit, daß Regierungen in gewissen Fällen (z. B. beiden Zöllen in Österreich und Rußland) die vollwer-thige Annahme dieser ihrer eigenen Scheine ver-weigern. Unzweifelhaft gewinnt der Staat bei AnS-); gäbe von P. die Zinsen des Capitals; greift er abers. in Zeiten der Noch zu solcher Emission, so kann esnie ohne Schädigung geschehen; dieses scheinbarwohlseilste ist in Wirklichkeit Las theucrste Geld, undzwar nicht bloß für die Staatskasse, sondern außer-dem mittelbar für die Bewohner des Landes. AlleWerthverhältnisse Pflegen erschüttert zu werden; dieKauskraft dieses Geldes nimmt in dem nämlichenMaße ab, in welchem die Masse desselben vermehrtwird, n. selbst nach dem Überwinden der ursprüng-lich maßgebenden Krisis gelingt es nur schwer, dienormale Währung wieder hcrzustellsn. Rußland,Österreich, Italien, ja selbst NÄmerika bewiesen inunseren Tagen die Wahrheit dieses Satzes.
Was die Geschichte des P-es betrifst, so reicheneinzelne Spuren bis in das Altcrthum zurück. Et-was mehr entwickelt erscheint LieSache bei Len Chi-nesen im 9. u. 14. Jahrh. In Europa trat das P.
namentlich während LerKriegeKarls XII. in Schwe-den u. noch mehr in Frankreich zur Revolutionszeithervor; das Metallgeld ward völlig verdrängt, manhatte eine unsichere Papierwährung (s. d. Art. As-signaten). In Deutschland hatten es die meisten Staa-ten vor derNengestaltung desReiches vortheilhast ge-funden, sich durch Ausgabe von P. unverzinsliche Ca-,pitalien zu verschaffen. So circulirtcu denn 187461,374,600Thlr. desselben. Die ReichsgesetzgebunFbeseitigte alles P. der Einzelstaaten u. verfügte da-gegen die dauernde Ausgabe von 120 Mill.Ll Reichs-kassenscheine in 5, 20u. 50N rc.; nmdie erste Opera-"tion zu erleichtern, wurde eine momentane Mehraus-gabe von Reichskassenscheinen bis zu 174 Will. Llgestattet, doch muß die normale Ziffer snccessive in- °nerhalb 15 Jahren hergestellt werden. Das Reichs--P. muß bei allen Reichs- u. Landeskassen als Zahl-ungsstatt zum Nennwerthe jederzeit angenommen,,bei der Reichshauptkasse aber auch gegen Metall-geld umgewechselt werden. Im Privatverkehr findetkein Zwang zur Annahme statt. Kolb.
Papierkohlc, s. Braunkohle 4), so v. w. Bläk-terkohle.
Papiermache, Papiermasse, gewöhnlich aus ei-nem von altem Papier gekochten, ausgepreßten, auchwol gebleichtenu.mitLeimlösung, Gummi od. Stärke,sowie mit viel Gips, Schwerspath od. Thonrc. ver-setzten Teige, der in geölten Formen zu allerhand Ge-stalten gepreßt u. schließlich bei höherer Temperaturgetrocknet wird. Bessere Sorten macht man, indemman eine größere Zahl Papierbogen über Holzfor-men klebt, trocknet, sie dann abdreht n. anstreicht od.lackirt. Aus P. werden allerhand Spielwaaren,Brodkörbchen rc. gemacht. Jungck.
Papierinaulbcerbanm, ist Lronssonotia pa-Mriksra.
Papiermühle, s. Papierfabrik.
Papiernautllus (-är^onauta) , s. Kopffüßer.
Papierstcreothpie, s. Stereotypie.
Papierwährung, s. Papiergeld n. Währung.
Papicrwäschc, Chemisetten, Kragen u. Man-chetten aus Papiermasse, ost mit Leinenüberzug;stärkste Fabrikation zu Lowell, eine große Fabrik be-steht auch in Plagwitz-Leipzig.
Papicrwespen, s. Wespen.
Papilla (lat.), Schmetterling; in derZoologie Gatt-ungsname des Schwalbenschwanzes (?. Llaoliaon)n. des Scgelfalters (?. l?oäa1irins).
paplllonaceae, s. Iwgmminosas.
Papillargeschwulst (Papillom), eine warzigeoder zottige Geschwulst, die aus gewuchertem Binde-gewebe besteht, eine od. mehrere Gcfäßschlingen ent-hält u. einen Überzug von Epithel besitzt. Sie kommtvor auf der Hantoberfläche und auf Schleimhäuten(z. B. der Harnblase, des Magens) u. ist die Folgevon Reizzuständen. Man unterscheidet die harteund weicheP. Juden ersterengehören die Haut-warzen, die besonders an denLippen vorkommendenässende Warze (dieselbe wird häufig mit demLippenkrebse verwechselt) u. die Feigwarzen (diespitzen Condylome), welche vorzugsweise an den Ge-schlcchtstheilen Vorkommen. Die weichen P. kom-men in der Harnblase und am Gebärmuttermunde(als sog. Blumenkohlgcwächs) vor und verursachenHäufig gefährliche Blutung. Kunze.
Papillcn (v. lat.^apillas), 1) die Brustwarzen,