Papicrboot — Papierstibrikatron.
L3
des chinesischen Ministers Tsae-llln 123 v. Chr., u.zwar bereitete er das Material im Wesentlichen schonin derselben Weise, wie es noch heute geschieht; aucherfand derselbe die Verarbeitung des P-Maulbeer-haumes, die heute in Ostasien noch in Anwendungist. Im 6. Jahrh. n. Chr. lernten die Tataren aufihren KriegSziigen nach Ostendie P-bereitungkennen.Bon ihnen erlernten sie im 7. Jahrh. die Araber, diesie auch mit nach Spanien brachten. Da sie die Kunstjedoch sorgsam geheim hielten, so lernten die Christenin Spanien die Fabrikation erst nach der Überwäl-tigung u. Vertreibung der Mauren. Früher schonwar dieselbe im übrigen Europa bekannt geworden,u. zwar durch die Kreuzzllge seit dem 11. Jahrh.lim 1270 wurde die erste Papiermühle von demMühlenbesitzer Holbein in Ravensburg errichtet, eineverbesserte errichtete Ulmann Stromer in Nürnbergim I. 1390. Das älteste Document auf P. ist einFriedensvertrag zwischen Aragouicn u. CastilienausLem Jahre1178. Die älteste Urkunde auf Linncn-P.in Deutschland findet sich in dem Hospitalarchiv derStadt Kanfbeuren n. ist vom 1.1318; seit derMittedes 14. Jahrh. verdrängte das Linnen.P., welchesdamals in den Kanzleien der kaiserlichen und päpst-lichen Notare eingcfllhrt wurde, das weniger haltbareBaumwollen-P. In anderen europäischen Ländernwurden zuerst P-mühlen errichtet: in der Schweiz1470 zu Basel, in Holland um 1500, in Schweden1523 vom Bischof Brask zu Linköpiug, in Sieben-bürgen 1546, in England 1588 von einem Deutschen,Namens Spielmann zu Dartford, wo aber bis 1690nur Pack-P. gefertigt und die anderen P-e vonHolland, dessen Fabrikat großen Ruf genoß, einge-siihrt wurden. Die Massenfabrikation des P-s datirtsich von der Erfindung der Buchdruckerknnst her. EineVervollkommnung erfuhr die P-sabrikatiou durch dieErfindung der Sicbform, wodurch das Veliu-P. her-gestellt wurde, um 1785 Lurch die Gebrüder Mont-golfier zu Anno nay in Frankreich (n.And. schon 1783Lurch Lcgcr-Didot). Seitdem hat die Erfindung derchemischen Bleiche mit Chlor u. des Maschineu-P-sdiesen Industriezweig noch mehr gehoben. Die P-mafchine erfand der Franzose Louis Robert, Arbeiterin der P-fabrik zu Essonue, verkaufte aber das 1799erlangte französische Patent an den Bescher der P-sabrik, welcher sie 1801 nach England verpflanzte,wo 1811 die erste eigentliche Maschinen-P-fabrik er-richtet wurde. 1815 kam die Erfindung wieder nachFrankreich u. 1819 nach Deutschland, wo in Berlinn. in Weida im Großhcrzogthum Weimar die erstenMaschincn-P-fabrikcu errichtet wurden, die bes. inSDentschland u. in Sachsen Nachahmer fand. Derin vieler Beziehung höchstwichtige übergang von demHand-zum Maschinenbetrieb fällt aber in Deutschlandu. Frankreich vorwiegend in die Jahre 1837—40.
Die Verwendung der P-masse ist neben der ge-«öhnlicheneine sehr mannigfaltige. Nicht nurSpiel-fachen, Luxusartikel, lackirte Maaren u. dgl, werdendaraus gefertigt, sondern auch Theckanuen, Fässer,Näder-Bandagen, Kleidungsstücke (P-wLschc) u. end-lich sogar Hohlziegel. Nach einer von amerikan. Seiteausgestellten Statistik werden jetzt jährlich in runderZahl 18 Mill. Ctr. P. fabricirt. In den VereinigtenStaaten kommen im Verbrauch durchschnittlich 17Pfd.au; den Kopf, ein Engländer verbraucht 111, ein Dcnt-Icher 8, ein Franzose 7, ein Italiener 3^, ein Spa-
nier 14 und ein Russe bloß 1 Pfd. Der starke Ver-brauch in NAmcrika hängt mit der Unmasse der dorterscheinenden Zeitungen zusammen. Die Anzahlsämmtlicher P-fabriken der Erde wird vom (Dour äuAloocks auf 3960 angegeben, die der darin beschäf-tigten Personen 260,000 (180,000 weibliche), ohnedie 100,000 Menschen, welche sich mit dem Lnmpen-sammeln u. sonstigen Vorarbeiten beschäftigen. Rachder folgenden detaillirten Statistik (1874) ist jeneZiffer der P-fabriken aber viel zu hoch.
Länder
Papierfabriken
Totalgewichtdes Fabrikats
Belgien
1!)
450000 Ctr.
Dänemark
5
72000 „
Deutschland
423
3600000 „
Österreich
130
1140000 .
Frankreich
404
2060000 „
Großbritannien
274
3600000 „
Italien
67
960000 „
Holland
10
144000 „
Norwegen u. Schweden
20
270000 „
Portugal
16
120000 ,
Schweiz
30
20000 ,
Rußland
66
670000 „
Spanien
17
260000 „
Afrika
1
5000 „
Brasilien
1
8000 „
Canada
2
10000 ,
Vereinigte Staaten.
467
3230000 „
Summa 19Z2 i 17612000 Ctr.
DieHälste des fadricirtenP-s wird in denDrn-cke-.-reien verbraucht, der Nest vertheilt sich mit 1 Mill.Ctr. auf Len amtlichen Verbrauch, mit 2,^ auf Han-del und Industrie, mit 0,g auf die Schulen, mit 0,5ans Len Privatcousum. 1.— V. Gieseler. VI. Schroot.
Papierboot, s. Kopffüßer.
Papierfabrikation wirb betriebeninPapier-fabriken (Papiermühlen). Obwol verschiedeneFaserstoffe als Rohstoff für die P. verwendet werdenkönnen (s. Papier), so werden doch in Europa über-wiegend Lumpen oder Hadern, d. h. Überreste undAbfälle von gebrauchten, namentlich leinenen Stof-fen, zu Papier verarbeitet. Die Hauptarbeiten da-bei sind die stufenweise Zerkleinerung der Lumpen,die Bildung der Bogen ans dem erlangten Brei u.die Vollendung des Papiers. I. Einsammeln u.Behandlung der Lumpen. Das Einsam-meln der Lumpen besorgen die Fabrikanten entwederauf eigene Rechnung od. durch Zwischenhändler. Eswerden jährlich 1H IrA Lumpen pro Kopf der Be-völkerung angenommen. 8) Die gesammelten Ha-dern werden sortirt (ansgelesen). Je mehr dieHadern abgenutzt sind, desto tauglicher sind sie; auchsind leinene Hadern besser als andere; der Feinheitder Leinwand entspricht auch dis Feinheit des dar-aus bereiteten Papiers. Baumwollene Hadern lie-fern ein rauheres, lockeres Papier; sie werden dahermeist mit leinenen Hadern vermischt verarbeitet.Noch rauher u. lockerer ist das Papier aus bloß wol-lenen Hadern; diese liefern daher nur Löschpapier,geringes Packpapier u. Pappe. Auch seideneHadernliefern mit wollenen vermengt, ein kurzfaseriges,wenighaltbares Papier. AußerdemMaterial, LerFeinheitu.derAbnntzung hat man beimSortiren auch auf dieFarbezusehcnu.untcrscheidetdattachbiszu20u.mehrverschiedene Untcrsorten. Je gleichartiger die zusam-men verarbeitetenHader» sind,desto feinerfälltdasPa-pier aus. Die Arbeit des Sortirens wird theils schonvon den Lnttipcnsammlern u. Lumpenhändlern, bes.aber auf dem Oberboden (Haderboden) von Frauen-
6 *