Druckschrift 
Bd. 12 (1877) Laing - Mettenleiter
Entstehung
Seite
445
Einzelbild herunterladen
 

44s

Lyons Lyrische Poesie.

midor war hier nicht ohne blutige Reaction. Sehrlangsam erhalte sich L. von diesen Schlägen, wobeilies, viele fleißige Arbeiter umgelommcn waren. AmS1. März 1814 wurde L. von den Österreichern ge-nommen, ebenso 11. Juli 1815 durch Capitnlation.Vom 21. bis 23. Nov. 1831 fanden hier ernstlicheUnruhen der Fabrikarbeiter statt, welche höherenLohn ertrotzen wollten und nur durch 20,000 Mannunter dem Marschall Sonlt zur Unterwerfung ge-zwungen werden tonnten. Im April 1834 brachenwieder ähnliche Unruhen ans; fünf Tage wurde inden Straßen gesuchten, bis endlich die bewaffneteMacht die Oberhand erhielt. Am 24. Febr. 1848entstand ein Tumult bei der Ankunft der Nachrichtvon der Revolution in Paris. Am 15. Juni 1849brach abermals ein Volksanfstand ans, der Lurch dieTruppen unter General Magnan nicdergeworfenwurde. L. war dann 1870 Hauptsitz der radicalenDemokratie n. Zeuge blutiger Revolten, so daß esin Belagerungszustand erklärt wurde und bis Anfang1877 unter Lcmjelben verbleiben mußte. Vgl. Bcan-licn, Uiatoiro du eommorcs, da 1'iuciuütris st desk!lbrignos ds U.,ebd. 1838; Joanne, u. st 8S8 vn-virons, 3. A., Paris 1876; Monfalcon, tliatoiromomnuentals ds 1a viUs dsl>., 8Bde., Lyon 1806bis 1870. H- Berns.

Lyons, 1) Sitz des Wahne County im nordamc-rikan. Unionsstaatc Ncw-2)ork am Erie-Kanal n. derSyracnse-Rochester Eisenbahn; Bauinwollenmanu-sacturen, Eisengießerei; 5115 Ew. 3) Stadt imClinton County, Iowa, am Mississippi n. einer Ab-zweigung der Union Pacificbahn; 4100 Ew.

Lyons, 1) Edmund, Baron L. of Christ-chnrch, lirit. Admiral, Sohn eines reichen west-indischen Pflanzers aufAutigna, geb. 21.Nov. 1790in Bonrton in der Grafschast HantS, trat 1801 alsFreiwilliger in die britische Marine, wurde 1808Lieutenant n. nach Ostindien geschickt, wo er sich bcs.1810 bei der Einnahme der Insel Banda Neira ans-zeichnetc; er wurde 1811 als Flaggenlicntcnant inder Sundastraße stationirt, war bei der EroberungJavas zugegen und wurde 1813 Corvcttencapilän.Nachdem Frieden länger ohne Anstellung, wurde er18S8Commandant einerFregatte, die ihre Bestimm-ung nach dem Mittelmecre hatte, wo er zunächst denHafen von Navarin sperrte n. dann die Belagerungdes Schlosses von Morea Lurch die Franzosen unter-stützte; 1833 geleitete er den König Otto nach Grie-chenland u. wurde 1835 znm bevollmächtigten Mi-nister Englands am griechischen Hofe ernannt undwußkehjer ganz trefslich dem russischen n. französischenEinfluß das Gegengewicht zu halten. Indessen in-solge des Conflictes zwischen England u. Griechen-land gab er, inzwischen Baronct geworden, im März181g seinenPostenauf n. wurde, znm Contrcadmiralernannt, englischer Gesandter in Stockholm. Als«ceadmiral übernahm er 1854 an Dnndas StelledmOberbefehlüberdieFlottedesSchwarzenMecres,"o er Redutkaleh n. Kinbnrn einnahm. Ende 1855wurde er zum Lldmiral der Blauen Flagge n. 1856ß>r seine Dienste in dem Russischen Kriege als BaronL- os Christchurch znm Peer ernannt. Er starb 23.Nov. 1858 in Arnndcl-Eastle, dem Schlosse seinesSchwiegervaters, des Herzogs von Norfolk. 3) R i-Mrd Bickerton, engl. Diplomat, Sohn desvorigen, geb. 10. April 1817 zu Lyminglon, >var

bis 1858 englischer Gesandter in Florenz u. folgteseinem Vater in der Pcerage. Im December 1858ging er als außerordentlicher Gesandter nach denBereinigten Staaten, von wo er im Februar 1865znrnckkchrte. Im August dieses Jahres ward evBotschafter inConstantinopel u. wurde im Juli 1867in gleicher Eigenschaft nach Paris versetzt, wo er Groß-britannien noch heute (Mitte 1877) vertritt. Bartling.

Lyra, ältestes Saiteninstrument, als dessen Er-finder, veranlaßt durch den Klang der Sehnen einertodten Schildkröte, der ägyptische Hermes Trisme-gistus bezeichnet wird. Eine wesentliche Verbesserungerfuhr die L. durch die Griechen, welche deren Er-findung ihrem eigenen Gotte Hermes znschrieben.Die ältesteL. soll dreiTöne gehabt haben, denen zurVervollständigung des Tetrachords (skAa) ein wei-terer Ton hinzngefllgt wurde. Nach und nach ver-mehrte sich die Zahl derselben und schon Tcrpandev(geb. 700 Jahre v. Chr.) hatte sieben Saitcn(Hepta-chord) ans seiner L. Diese 7saitige blieb die L. desVoltes; in späterer Zeit brachte es die L. bis ans15 Saiten (2 Octaven). Beim Spielen wurden dieSaiten, an denen keine Verkürzung möglich war,die man aber in verschiedene Hermonien stimmte,mit dem Plektrum oder den Fingern gerissen; dasInstrument wurde Mischenden Knien gehalten. Nochheute ist in Abessinien n. den angrenzenden Länderndie 7saitige L. gebräuchlich. Siebenrock.

l-vratus (lat., Bot.), lcicrforinig.

Lyrik, s. Lyrische Poesie.

Lyrisch (v. Gr.), zur Lyra singbar; singbar, sang-mäßig; cmpfindnngsreich.

Lyrische Poesie, nach der Lyra (s. d.) benannt,von der sie bei den Griechen n. Römern am häufig-sten begleitet wurde. Der Ausdruck scheint beiAristo-teles noch nicht vorzukommen. An seiner Stelle ge-brauchten die Griechen, im Gegensätze von uns, jedoch mit Ausschluß der Elegie und derJambik, in der Regel den Namen Herder

sagt:Die L. P., eine Schwester der Musik, darfeigentlich nicht schildern, sie hält sich lediglich an denFaden u. Gang der Empfindung n. erhebt sich dem-nach in eine unsichtbare, geistige Sphäre. Was sichder Phantasie irgend darstellen mag, ist vor ihr, allesaber nur in Bewegung, in leidenschastlichee Wirk-ung." Es ist die Aufgabe der Musik, das Empfind-ungSleben zu einem Gebäude von Tönen zu ord-nen, auf den Mittelpunkt geheimnißvoll angeschau-ter Ideen zu beziehen und durch diese zu verklären.In sie versenkt fühlen wir uns von der Anschauungeinzelner, bestimmter, sichtbarer Gegenstände losge-rissen, unsere Phantasie wird in eine schrankenloseFreiheit gesetzt, sie ergeht sich im Weltall. Diekünstlerische Einheit beruht hier nicht in einem ab-gegrenztcn Gebiete von sinnlichenGegcnständcn, nichtin vestimmt ausgesprochenen oder leicht zu erwachen-den Grundideen, sondern in einer Grnndstimmnng,durch die uns der Tonschöpfer in einen gewissen Kreisvon Empfindungen, oder doch in verwandte Em-pfindungen bannt. Indent nun die L. P. ans deinunendlichen, geheimnißvollen Grunde der Musik aus-stcigt, gibt sic den Empfindungen durch Sprache undbildliche Darstellung eine bestimmtere Richtung;aber Schilderung, Erzählung, Gedanke sind in ihrnur flüchtige Verkörperungen des Tonelemenles, indem sie wieder sich anflösen. Auch wo die Seele der