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Bd. 12 (1877) Laing - Mettenleiter
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LamaismuS.

Die Spitze des hierarchischen Systemsbilden die beiden unfehlbaren Großlamen, vondenen der eins ans Pvtala bei Lhassa, der andere ansTaschilnnpo rcsidirt. Beide sind zugleich weltlicheHerrcn Tibets; bei gleichem geistlichen Ansehen be-herrscht jedoch der Dalai-Lama ein viel größeres Ge-biet und besitzt dadurch eine viel größere politischeMacht als der Bogdo-Lama. Als Junger n. Nach-folger Tsonkhapas waren sie ursprünglich nur Obcr-priester der von diesem gestifteten Secte der Gelb-mutzen, neben denen die Häupter der rothmützige»Seelen jedenfalls bis auf Guschis Zeit denselbenRang in Anspruch nahmen. Schon seit längerer Zeitsind jedoch die Bischöfe der Nothmlitzen im südlichstenTsang, iu Bhotau n.Ladakh in cinegcwisse Abhäng-igkeit zu den Lamcn in Lhassa gebracht. Den zu Po-tala bei Lhassa residirenden Papst nennen dieTibetcrDscha >n t so (r^zmmtso)- L a in a, die Mongolen Da-laiLama, Beides heißtL- m eer, weil er ein Oceanaller Heiligkeit sein soll. Das Wort L. selbst (genaubla-ma) heißt Oberer, Superior im stofflichenund geistigen Sinne. Sein Mitpapst, der andereGroß-Lama führt den tibetischen Titel PantschhenRinpo tschhe, d. h. großer Pan (Abkürzung dessanskr. zianstita, Weiser) Edelstein (Kleinod); gleich-bedeutend ist der mongolische Bantsen Erdeni ne-ben Bogdo-L. (göttlicher L.). Der Dalai-L. giltmehrcntheils für Berkörpcrnng des BodhisattivaAvalvkitbswara (sansk. hcrniederschaucnder Herr)sein ebenbürtiger College aber deSr Amitabha(nn-ermeßlicheS Licht). Die zweite Klasse der LamaischenHierarchie sind die sogen. Chutuktu od. Kntnktn(tibet. Paspa, genau pImAs 2 -p>a, d.i.ehrwürdig),diesich etwa mit den kathol. Cardinälen n. Erzbischöfenvergleichen lassen und ebenfalls für wiedergcboreneHeilige gelten. Als Stellvertreter desDalai-Lama inden einzelnen Provinzen haben sie zugleich die ganzeCivilverwaltnng in den Händen. Am bekanntestenunter ihnen ist der Patriarch welcher bei den Mongo-len zu Urga am Tnlaflnß residirt; gewissermaßenVertreter des Daln-L. bei dem chinesischen Kaisersind die Chnktuktn, die in den großen Klöstern Pe-kings rcsidiren. Es gibt auch weibliche Chutuktei.Ans diese, die mit den Großtanten oaS PrädicatIlin xc> tsairlis (Kleinod) gemeinsam haben, folgenals dritter Rang die Chnbilghane oder einfachenWiedcrgeborenen, deren Anzahl sehr groß ist; zahl-reiche Klöster in Tibet und der Mongolei haben sichiucarnirter Äbte zu erfreuen. Früher lag die Auf-findung u.Wahl der Jncarnationcn aller drei Rang-stufen, d. i. die Besetzung der höchsten geistlichenStellen, überwiegend in der Hand der Hierarchie,namentlich wußten die geistlichen Herren zu Lhassaihre Bastarde n. Nepotcn mit den höchsten Ämternu. besten Pfründen im ganzen Gebiete der Lamai-schen Kirche zu versorgen; gegenwärtig übt jedochdie chinesische Regierung den entschiedensten Einflußauf die Ernennung der Wiedergeborenen. DasMönch ihn m hat im L. vier Alters- u. Rangstufen.Dieselben sind von nuten auf gerechnet: aa)der geist-liche Lehrling oder Schüler, im Tibetanischen meistG enjen (genau ck§ö-hs 2 non), d. i. der sich der Tu-gend Nähernde, Laienbruder, bei den MongolenSchabi, bei den Kalmücken Mandschi; bb) derGctsn l(ä^L-bsbuI) noch nngeweihte Mönch; ov)G e-long (ä^ö-srlonZ), d.i. derTngendbettlcr, derwirk-

> liche fertige Mönch, der Priester, welcher alle Weihenj erhalten bat; ckck) derKha np o (mlclmn-pc>), Lehrer,! Meister, Abt. stlnr die größeren Klöster baden einen!Khanpo zum Prior, dessen Anfsichtsrccht sich oft noch!über mehrere kleinere Klöster n. Tenipel erstreckt n.dessen Stellung sich im Allgemeinen mit-der einess katholischen Bischofs vergleichen läßt. Dem Khanpo.wurde früher allein n. vorzugsweise auch noch jetztdas Prädicat Lama beigelcgt, wenn er auch häufig^znm Unterschied von den übrigen Klosterbewohncrn! Uama tseIUioii-;>o (niongol. llolcs lmma, chinesisch^I'u-Ia-nm, d. i.Grvßlama) betitelt wird. Zn diesenchicr in dem Wesen n. der Organisation desMönch-gthnms begründeten Rangstufen treten nun noch dieTheologischen und akademischen Grad e undWürden, von denen die höheren auch einen wirk-j lieh hierarchischen Nangnnterschied begründen. Diesesind an) der Kabtschu, etwa Magister, derjenige! Geistliche, der die zehn wichtigsten Lehrbücher der! Lamaischen Religion richtig verstanden u. davon inöffentlicher PrüfungZengniß abgelegt hat. bb) DerRabdschanipa (rab-b/aiu^^-pa), d. i. der Uber-ströniende, Unendliche), etwa unserem Doctor derI Theologie entsprechend; der höchste akademische Grad,der nur in Len Klöstern, mit denen lamaische Hoch-! schulen verbunden sind, nach abgehaltener DiSpnta-^tion über den ganzen Umfang der Glaubens- undg Kirchenlehre ertheilt ivird, znm öffentlichen Lehren!des Gesetzes ermächtigt u. zu den höheren Kirchen-, ämtern befähigt, sttoch um eincStnfc überragt wirdgder Rabdschanipa oe) durch den Tschoibsche(tsoitlwsr-rckselig), d. i. Gesetzessürst, n. dieser wie-Pernm ckck) durch den Pandita, welche beide Titeljedoch nicht mehr akademische Grade, sondern vongden Großlamas nur an ansgezeichneteDoctorcn ver-glichen werden. Die Geistlichen aller Grade sindMönche n. wohnen größtcntheils znsamnten in Klö-stern, deren Mittelpunkt ein Tempel, oft von großemUlmfang u. großer Pracht, bildet. Eigentliche Ein-siedler die außerhalb klüsterlicherMaucrn in Wüsten,g Wäldern n. Höhlen wohnen, gibt es in Tibet ver-Zzältnißmäßig wenige. Einzelne L. treiben sich bis-g weilen irgend eines Gelübdes wegen bettelnd imLaude herum. Der L. hat auch seine 'Nonnen n.Nonnenklöster n. seine weibliche Hierarchie, an derenSpitze incarnirte Äbtissinnen (weibliche Chntuktcn)stehen; die Novize heißt Getshnl-ma; die, welchealle Gelübde abgclegt hat, Gelong-ma; allgemeineBenennungen für die weiblichen Religiösen sindGonpa-ma(d.i. Klosterfrau), Tschhoi-ma (Religions-weib), Tsnn-ma (Ehrwürdige), AnL (Tante) rc.;bei den Mongolen Tschibagantsa.

Die Gesammtheit aller lamaischen Religiösen vomDalai-Lama herab bis znm Schüler, führt die Gc-sammlbencnnnng Ge-dun, d. i. Tngenderstreber.Die Disciplinarvorschriftcn sür die Geistlichkeit füllenim Gandschnr IZBände; die eigentliche Mönchsregelzählt 253 Gebote n. Verbote. DcrGelong erhält einedreifache Weihe als Novize im 7. od. 9/Jahre, alsGetsul nach znrückgelegtem 15. Jahr, u. als Gclongnach vollendetem 20. Lebensjahre. Der Gelangträgt den vollständigen Priesterornat, den auch diegcsammte höhere Geistlichkeit bis hinauf zum Dalcn-Lama trägt; nur an den Pfützen zeigen sich die hie-rarchischen Rangstufen. Wenn sich die Kirchenfürstenöffentlich zeigen, tragen sie den möglichsten Pomp