194 Der Minister d, Ausw. Angelegenheiten; die MaigeseHe.
frais an Arbeiten und Beeinflussungen und Ueberredungender übrigen Ressorts, daß derjenige, der Ministerpräsi-dent ist, gar nichts anderes nebenher thun kann, undimmer nach dem Ende eines jeden Tages sich sagen muß,daß er hinter den Aufgaben, die er sich gestellt hat, zu-rückgeblieben ist. So gering sind die Mittel: man mußentweder die kollegiale Verantwortlichkeit rein festhaltenund sich nicht daran kehren, wer Ministerpräsident ist,und diesem nicht das Geringste an größerer Verantwort-lichkeit, keine höhere Verantwortlichkeit zuweisen als jedemanderen Staatsminister, oder man muß diesen, wenn manihn stärker als die anderen zur Verantwortung ziehen will,also neben dem jedesmaligen Ressortsminister in ersterLinie, mit anderen Mitteln ausstatten, womit ich immernicht behaupten will, daß einer auf die Dauer gleichzeitig dieStellungen als Reichskanzler und als preußischer Minister-präsident zu seiner eigenen Befriedigung versehen wird.
Der Herr Vorredner hat bedauert, daß das Mini-sterium nicht bei dieser Gelegenheit eine Modifikation undVervollständigung erfahren hat. Meine Herren, ich glaube,das wäre sehr unzweckmäßig gewesen, und ich habe nachKräften zu verhindern gesucht, daß eine Aenderung ein-träte. Der Herr Vorredner meinte, es wäre eine ganzgewaltig einschreitende Aenderung, — dann ist meine Ar-beit der ersten vierzehn Tage nach meiner Rückkehr ver-fehlt gewesen. Ich habe mich bemüht, dahin zu wirken,daß wo möglich gar keine Aenderung stattfinde. Derjetzige Ministerpräsident (Graf Roon) ist mein ältesterKollege insofern, als er vor mir in dem Ministeriumbereits war, er ist mein Freund von meiner frühesten Ju-gend her, zwischen uns ist volle Offenheit und gegenseiti-ges Vertrauen. Ich bin vollständig überzeugt, daß er