Die Nessortverhältn. des preuß. Staatsministeriums. 183
und weniger würdige Dinge mit hohen vergleichen kann,so möchte ich sagen: ein verantwortlicher Staats-mann an der Spitze eines Staates ist in derLage wie jemand, der etwa an der Börse un-unterbrochen solche Geschäfte macht, die weitüber sein Vermögen gehen, deren Verlust ernicht decken kann, wenn er sie verliert, und beidenen außer dem direkten und materiellen Ver-lust eigene Ehre und Ruf, die Wohlfahrt desganzen Landes auf dem Spiele stehen. Das Ge-fühl, fortwährend handeln zu sollen in einer Weise, oderdie Handlungen anderer billigen oder mißbilligen zu sollenunter Umständen, wo man sich sagen muß, die Billigungoder Mißbilligung kann der Ausgangspunkt, der Kri-stallisationspunkt einer Entwickelung sein, deren weitereoder letzte Folgen niemand mehr beherrscht, — wen diesGefühl der fortwährenden, ausgespannten Verantwortlich-keit nicht angreift, der hat eben kein Pflichtgefühl undkein Herz für sein Land. Wer dies hat, den wird esbis zu einem gewissen Maße packen und verbrauchen.
Wenn ich also die Wahl getroffen habe beim Ein-sehen der Notwendigkeit, daß ich das preußische Minister-präsidium los sein wollte, so war es in dem Gefühl,daß in diesem Ressort die Wittel, einen Einfluß zu üben,im allergrößten Mißverhältnis mit der moralischen Ver-antwortlichkeit, welche die öffentliche Meinung an dieStellung eines Ministerpräsidenten knüpft, stehen (Hört!Hört!), daß mir die größte Erleichterung zu teil wurde;— denn ich glaube, weit über die Hälfte meiner Ge-schäfte kommen aus diesem Ressort — und zugleichdie geringste Einbuße an Einfluß. Daß ich auf diesenEinfluß ganz verzichten wollte und verzichten könnte, so