182 Der Minister d. Ausw. Angelegenheiten; die Maigesetze.
schwer und selten thut. Ich halte mich im ganzen immernur verantwortlich für die im großen Durch-schnitt richtige Wahl der Personen, nicht fürjede einzelne Handlung der Personen. Außer-dem, wenn ich diese Verantwortung gefährdet fühle, binich in der Lage, bestimmt zu sagen: dies will ich nicht,und bestimmte Forderungen zu stellen, was einstweilen zugeschehen hat.
Ganz anders und viel mühevoller ist die Aufgabeeines preußischen Ministerpräsidenten, der einenhohen Ehrenposten, eine große Verantwortung hat und sehrwenig Mittel, dieser Stellung seinen Kollegen gegenüberirgend welchen Nachdruck zu geben, und wenn gegenseine Einflüsse sich innerhalb eines Ressortsein passiver Widerstand entwickelt, den die ein-zelnen Beamten dieses Ministeriums unter-stützen, so habe ich darüber die Erfahrung, daßman gewissermaßen im Sande ermüdet undseine Ohnmacht erkennt. (Hört! hört! links.)
Wenn ich mir also die Wahl stellen mußte, meinenGeschäftskreis zu verkleinern, so konnte ich darüber nacheiner zehnjährigen Erfahrung nicht zweifelhaft sein, daßdie Stellung des preußischen Ministerpräsidenten diejenigewar, die meine Arbeitskraft — sagen wir Nerven zumArbeiten, denn zum Arbeiten gehören Nerven — am meistenin Anspruch nahm. Es ist ja im ganzen nicht die Arbeit,die den Menschen körperlich in der Friktion, in der wir inparlamentarischen Staaten leben, aufreibt, sondern es istdas ununterbrochene Gefühl der Verantwortlichkeit fürgroße Dinge und für Interessen, die einem am Herzenliegen wie die eigenen, aber die doch zugleich die Interessenvon 25 oder 40 Millionen sind. Wenn man geringe