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Die Reichstagssession 1872.
über die dermalen in sämtlichen deutschen Landen sämtliche Beamte,namentlich in kleinen Städten abends, wenn sie in ihrer Stamm-kneipe beim Stammseidel sitzen, zu schwätzen pflegten. Mit derEinschärfung unbedingter Wahrung des Amtsgeheimnisses inBezug auf alles, was der Beamte im Dienst erfahren habenkönne, mache man die Beamten am Ende so scheu und ängstlich,wie ihm, dem Abg. Braun, dies in seiner speziellen Heimat Nassauvorgekommen sei: „Da ging der Hofrat, welcher Chef der geheimenRegistratur im Ministerium war, eines Tages in der Rheinstraßespazieren; es fragte ihn ein Handwerksbursche, ob hier hinaus derWeg nach Mainz gehe, und er antwortete: Lieber Mann, ich habePflichten — fragen Sie lieber einen andern." Der Reichskanzlerfaßte die Sache ernsthafter auf:
Ich möchte dem Vorredner doch empfehlen, sich vondiesem nnssauischen Eindruck zu emanzipieren und bei Be-urteilung dieser Frage nicht die Verhältnisse einer kleinenStadt, wo man auf der Kneipe über allbekannte Dingespricht, als Maßstab anzulegen, sondern z. B. diejenigendes gesamten Auswärtigen Dienstes. Wenn die Sacheso leicht unschädlich zu machen wäre, wie der Herr Vor-redner andeutet, daß eine Vorschrift des Vorgesetzten ge-nügte, um die Plauderhaftigkeit strafbar zu machen, sowürde ich als Reichskanzler eine solche Vorschrift fürsämtliche Beamte meines Ressorts sofort erlassen, sobalddieser Zusatz angenommen wäre, und ich würde gar keinPapier leiden, auf dem nicht der Trockenstempel stünde:„Dies ist geheim zu halten." Ich kann einen solchenZusatz, wie er beantragt ist, nachdem ich voraussetze, daßdieses Gesetz für alle Reichsbeamten gelten soll, für denAuswärtigen Dienst als annehmbar nicht bezeichnen. Ichwürde wenigstens alles aufwenden, was in meinem Ein-flüsse steht, um ihn zu verhindern, und darauf hinwirken,daß dieser Zusatz nicht Gesetz wird, wenn nicht für dieBeamten des Auswärtigen Dienstes eine Ausnahme mög-