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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Die Landtagssession 1871—1872.

aus den Akten klar liefern, das ihm allein zu diesen breitausgeführten Behauptungen Anlaß gegeben hat. Ich habein meinem Leben schon Zeugnis davon gegeben, daß ichein blinder Folger von Majoritäten nicht immer bin;wenn ich glaube, daß das Staatswohl durch sie gefährdetwird, so habe ich bewiesen, daß ich Widerstand leistenkann; ich würde dazu auch jetzt noch im stände sein: wennja der Herr Abgeordnete für Meppen eine Majorität fürsich haben sollte, ich würde dann glauben, daß die Ma-jorität auf falschem Wege ist. Was ich damals gesagthabe — und das ist alles, was ich darüber gesagt habe —ist folgendes (Vgl. die Rede vom 30. Januar):

„Wenn der Herr Vorredner zuvörderst den Umstandtadelt, daß kein Katholik im Ministerium sei, so bedaureich das auch meinerseits in hohem Grade; ich würde einenkatholischen Kollegen mit Freuden begrüßen. Aber wiedie Sachen augenblicklich liegen, — in einem konstitutionellenStaate, da bedürfen wir Ministerien einer Majorität, dieunsere Richtung im ganzen unterstützt."

Ich könnte, ohne weiter von den Aeußerungen desHerrn Abgeordneten abzuweichen, als von den meinigen,z. B. behaupten, er hätte das dringende Bestreben, Ministerzu werden, und zwar mein Kollege; das wäre ebensorichtig deduziert aus der damaligen Debatte. Aber ichwill nur fragen: wie denkt sich der Herr Abgeordnetedenn die Verfassung, die er beschworen hat, wenn er sogeringschätzig von Majoritäten spricht, deren ein Ministerbedarf, und es gewissermaßen als Abfall von meinenfrüheren dem monarchischen Prinzip dienenden Prinzipienbezeichnet, wenn ich danach strebe, das Ministerium imEinklang zu halten mit der Majorität der Volksvertretung?Wenn ich mir den Herrn Abgeordneten als Minister