Die ultramontane Wahlagitation.
79
Der Abg. AugustReichensperger gab seine Verwunderungdarüber zu erkennen, „daß ein so hochstehender Politiker, ein Mannvon so reichen Erfahrungen aller Art, wie der hochgeehrte HerrMinisterpräsident, von dem in Rede stehenden Wahlaufruf so vielAufhebens machen könne; bei den Wahlkämpfen in England greifeman sogar zu faulen Aepfeln; des Ausdrucks „erschlichen" habe sichder Ministerpräsident wohl nur im Eifer der Rede bedient." FürstBismarck antwortete:
Der Herr Vorredner hat gefunden, daß ich von demvon mir verlesenen Wahlaufruf zu viel Aufhebens ge-macht habe. Dann bin ich mißverstanden worden in derganzen Genesis dieser Vorlesung; es war nicht meineAbsicht, Aufsehen davon zu machen. Der Herr Vorrednertaxiert mich ganz auf den richtigen Standpunkt, wenner annimmt, daß mir das keinen sehr erheblichen Ein-druck gemacht hat. Ich habe schon viele ähnliche Akten-stücke gesehen, aus ähnlichen Quellen, und ich wunderemich über faule Aepfel nicht bei Wahlangelegenheiten.(Heiterkeit.)
Ich war nur dadurch veranlaßt, dieses Aktenstückzu produzieren, weil hier in der formellsten Weise mirdas Recht bestritten worden ist, diese Fraktion des Zen-trums als eine konfessionelle zu bezeichnen. Nun warmir dieses Aktenstück zufällig unter der Hand, aus wel-chem folgt, daß auf der Werbefahne der Fraktion dieKonfession steht und nur die Konfession.
Den Ausdruck „erschlichen" habe ich mir infolge derErmahnung des Herrn Vorredners nochmals sorgfältigerwogen und würde ihn zurücknehmen, wenn ich michüberzeugt hätte, daß er sprachlich nicht der hier anwend-bare sei. Ich verletze sehr ungern, und ich habe ihnnicht gebraucht in der Absicht, zu verletzen; man gewinntnie etwas damit, einen politischen Gegner bloß durch