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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Die Landtagssession 1871—1872.

Worte zu reizen, wenn man nicht mehr als Worte beider Hand hat. Aber ich kann wirklich, wenn ich mirdiesen Ausspruch sprachlich definiere, doch nur sagen:ich nenne „erschlichen", was jemand gewonnen hat durchEntstellung der Wahrheit, mag diese Entstellung nun eineöffentliche sein oder eine heimliche. Sie bleibt hier immereine heimliche, indem die Leute, an die sie gerichtet ist,gar nicht im stände sind, sie zu kontrollieren, die polnischsprechenden Oberschlesier auch gar nicht die Neigunghaben, sie zu kontrollieren. Es fragt sich also bloß:wird hier ein Mandat erstrebt durch Entstellung derWahrheit? und da glaube ich, bin ich vollständig gerecht-fertigt, dies zu behaupten, wenn in diesem Aktenstückeeiner politisch nicht durchgebildeten Bevölkerung vorge-redet wird, die Regierung und der Reichstag strebe da-hin, die Katholiken und diese Wähler persönlich zu Heiden,ja sie zu Sklaven der Ungläubigen zu machen. Ist dasWahrheit?

Der Abg. Graf Henkel von Donnersmark, welcher denobigen Wahlaufruf mit unterzeichnet hatte, beschwerte sich, daß derMinisterpräsident denselben als „lügenhaft" bezeichnet habe. DerMinisterpräsident bemerkte persönlich:

Ich habe mich des Wortes „Lüge" nicht bedient,ich würde mich nicht berechtigt gehalten haben, in dieserVersammlung das Wort anzuwenden. Ich habe gesagt„unwahr", ich habe von „Entstellung der Wahrheit" ge-sprochen; ich will es der öffentlichen Meinung über-lassen, ob eine solche hier vorliegt nach alledem, was ichverlesen habe.

Ich habe auch der vor mir sitzenden Fraktion (desZentrums) aus der Angehörigkeit des Zentrums bisherkeinen Vorwurf gemacht. (Heiterkeit.) Ich habe — ich