48 Die Reichstagssession v. 16. Okt. bis 1. Dez. 1871.
achtens schwerer, als die Frage, welche hier zur Sprachekommt. Wenn es sich um Interessen des Reichs handelt,durch die seine Einheit, seine Festigkeit, sein Vorteil wirk-lich bedingt sind, dann, meine Herren, habe ich ja auch ge-zeigt, daß die partikularistischen Bedenken unserer Bundes-genossen mich unter Umständen nicht abhalten, bei unsererAbstimmung das Recht und die Majorität, die wir etwaim Bundesrate haben, so weit geltend zu machen, wiedie Verfassung uns erlaubt, auch wenn die Grenze zweifel-haft ist, oder von anderer Seite bestritten wird. Indieser Frage aber einen politisch in hohem Grade ver-stimmenden Druck auf die Bundesgenossen auszuüben,dafür hat uns Gott die Macht, die Preußen in Deutsch-land angewiesen ist, nicht gegeben. Gibt es ein stär-keres Bekenntnis der deutschen Fürsten zum Reiche alsin der Prägung der Münzen, wie sie vorgeschlagen ist?Wenn Seine Majestät der König von Bayern auf dereinen Seite sein Bildnis schlägt und auf der anderendas Kaiserliche Reichswappen, kann er offenkundiger undnachhaltiger bekennen, ich hänge am Reiche, ich will einGlied des Reiches sein? (Sehr richtig!)
Welcher Vorteil ist dagegen in Anschlag zu bringen,daß wir ein berechtigtes Selbstgefühl, durch hundertjährigeTraditionen geheiligt, verstimmen und den Einflüsterungenund Ueberredungen derjenigen Nahrung geben, die an dieCentrifugalinstinkte zu appellieren Lust haben? Es istmir als Reichskanzler in keiner Weise gleichgültig, wiedie verbündeten Monarchen, und namentlich die mäch-tigeren unter ihnen, persönlich gestimmt sind, und wemdieses gleich ist, der ist ein Theoretiker; ich muß mitdiesen Stimmungen sehr sorgfältig rechnen, sie fallen sehrschwer ins Gewicht, und Sie würden meine Aufgabe außer-