Die Stellung der Botschafter und Gesandten. 29
bei Tafel gegeben wird; als Gesandter meines Reiches,in dieser amtlichen Eigenschaft gehe ich hinaus, sobaldmir nicht der Platz gegeben wird, der mir gebührt. Undso ist es auch mit der äußeren Vertretung, wenn mannicht im stände ist, es den Kollegen weniger mächtigerStaaten gleich zu thun, ja ihnen nicht einmal dieselbenHöflichkeiten in demselben Maße wiedergeben zu können.Ein Botschafter bedarf an sich wegen seines Titelskein höheres Gehalt — es ist eben nur ein Titel; obSie an die Spitze einer Brigade einen Obersten oder einenGeneral stellen, er wird doch immer Brigadier bleiben,er wird immer diese Stelle ausfüllen müssen. Ein Bot-schafter hat vielleicht, wenn er nur knapp dotiert sein soll,gegen einen Gesandten am großen Hofe ein Mehrbedürf-nis von 1- bis 3000 Thalern an Ausgaben, die ihm da-durch erwachsen, daß es üblich ist, wenigstens in denmeisten Ländern, daß die Botschafter gelegentlich bei grö-ßeren Festen von den Souveränen besucht werden, daßalso dadurch größere Feste in — ich möchte sagen —monarchischem Stile hergebracht sind, die eine Mehraus-gabe in diesem Betrage jährlich mit sich führen mögen;daß dafür aber einem solchen Hause auch die Auszeich-nung des Besuches des Monarchen selbst zu teil wird,bewirkt, daß dadurch auch die Stellung des Vertreters inden Augen der Unterthanen dieses Monarchen der Würdedes vertretenen Reiches mehr entspricht. Darum handeltes sich aber bei diesen Erhöhungen nicht. Weshalb, könnteman fragen, geben wir denn den Titel eines Botschafters?Es geschieht das vielmehr wegen des Ranges der politi-schen Agenten unter sich. Es wird in den diplomatischenKorps ein immerhin unbilliger, aber doch bei den meistenin Kraft stehender Unterschied gemacht: es kommt zum