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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Die Stellung der Botschafter und Gesandten. 27

Reich ein Gebäude für ein Ministerium oder ein Parla-ment errichtet, darauf halten, daß dasselbe nicht bloß demstrengsten praktischen Bedürfnisse angemessen sei, wie esder Mindestfordernde zu befriedigen bereit ist, sondern, daßes in würdiger Ausstattung Zeugnis davon ablege, daßdas Deutsche Reich ein großes mächtiges politisches Ge-bilde ist und sich als solches fühlt, aus denselben Grün-den möchte ich Sie bitten, darauf zu halten, daß dasDeutsche Reich im Auslande in einer Weise vertreten werde,die in den Augen des durchschnittlichen Beobachters auchäußerlich den Eindruck macht: hier stecken die Mittel unddas Selbstgefühl eines großen Landes dahinter. Die Be-deutung dieses Moments wird in dem Maße geringer,in welchem die Bevölkerung des Landes, in dem der Ge-sandte akkreditiert ist, durchgehends politisch gebildet ist.In einem Lande hoher politischer Bildung wird das Ge-fühl,. das sich bei Friedrich dem Großen mit den hundert-tausend Mann aussprach, leichter Eingang finden, manwird leichter von geringeren, äußeren Erscheinungen undUmständen abstrahieren, wenn der Gesandte schlicht auf-tritt, es gehört aber dazu eben das Abstraktionsvermögender feineren Bildung.

Für die großen Massen dagegen ist es durchaus nichtgleichgültig, ob der amtliche Vertreter des Deutschen Reichesden Eindruck macht, daß er große Mittel vertritt oderkleine. Wenn der gemeine Mann auf der Straße einerResidenz, wenn der Matrose, der dort hinkommt, dendeutschen Gesandten in kleinem Aufzuge fahren sieht, wenner seinen unbedeutenden Hausstand sieht, taxiert er danachsehr leicht, und das Maß von Höflichkeit und Achtung,das er dem Mitgliede dieser Nation entgegenbringt, wenner ihm an der Küste oder Grenze begegnet, ist, bei mitt-