Druckschrift 
6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

fl

26 Die Reichstagssession v. 16. Okt. bis 1. Dez. 1871.

bekannt sein wird, außerdem aber steigt der Anspruch aufwürdige Vertretung mit der Größe und Bedeutung desvertretenen Reiches. Ich möchte bitten, ein für allemaldie angebliche Aeußerung Friedrichs des Großen, daß seinGesandter sich nur darauf berufen sollte, es stünden hun-derttausend Mann hinter ihm, und darum brauche ernicht zu repräsentieren — ich möchte Sie bitten, dieseAeilßerung ein für allemal zu Grabe zu tragen; es istmir schwer glaublich, daß ein so geistvoller Herr eineAeußerung im Ernste gethan haben sollte, die ich mitdem guten Geschmack so wenig in Einklang bringen kann.Bei diplomatischen Verhandlungen an den Degen zuschlagen oder zu sagen: ich erwidere eine Einladung zumDiner nicht, aber wir haben hunderttausend Mann, —das ist in der That zu wenig unseren Gewohnheiten ent-sprechend. (Heiterkeit.) Ich kann nicht behaupten, daßder Einfluß eines Gesandten notwendig mit der Höheseines Gehaltes steigt, der Einfluß, den er in dem Lande,wo er akkreditiert ist, für das Land, welches ihn ent-sendet, auszuüben vermag. Die Idee, daß sein Gehaltdazu diene, ihm Hilfsmittel zu verschaffen, um den deut-schen Einfluß im Lande zu vermehren, beruht eigentlichmehr auf den Traditionen älterer Zeiten, wo es möglichwar, mit einem guten Diner einen tieferen Eindruck zumachen als heutzutage. Heutzutage essen sie alle gut,und die Diplomaten nicht gerade am besten. (Heiterkeit.)Der Luxus in Equipagen und Dienerschaft erregt unterUmständen eher Neid als Wohlwollen. Aber ich möchteSie bitten, diese Ausgaben mehr im Stile der Vertretungder Würde des Reiches, als der Interessen aufzufassen;die letzteren gehen dabei immer nicht leer aus. Jedoch ausdenselben Gründen, aus denen Sie, wenn das Deutsche