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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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22 Die Reichstagssession v. 16. Okt. bis 1. Dez. 1871.

Ich glaube, Sie würden eine Regierung, die das thäte,und die dadurch die Interessen des Landes gefährdete,selbst wenn der Urheber dieser Theorie, der Herr Ab-geordnete, das Heft in den Händen haben sollte, dochnicht lange über sich dulden, Sie würden das eine zugefährliche Oeffentlichkeit finden.

Der Herr Abgeordnete hat dann die Theorie einesAngriffskrieges zum Behufs der Verteidigung in Zweifelgezogen. Ich glaube, daß eine solche Verteidigung durchden Vorstoß doch eine sehr häufige und in den meistenFällen die wirksamste ist, und daß es für ein Land voneiner solchen zentralen Lage in Europa, das drei bis vierGrenzen hat, wo es angegriffen werden kann, sehr nütz-lich ist, dem Beispiele Friedrichs des Großen vor demsiebenjährigen Kriege zu folgen, der nicht wartete, bisdas Netz, das ihn umspinnen sollte, ihm über den Kopfwuchs, sondern mit raschem Vorstoße es zerriß. Ichglaube, daß diejenigen auf eine ungeschickte und schwerverantwortliche Politik rechnen, die annehmen, daß dasDeutsche Reich unter Umständen in der Lage sei, einenAngriff, der gegen dieses Reich geplant werde, vielleichtvon übermächtigen Koalitionen, vielleicht auch nur voneinzelnen, ruhig abzuwarten, bis dem Gegner der bequemeund nützliche Zeitpunkt, loszuschlagen, gekommen zu seinscheint. In solchen Lagen ist es die Pflicht der Regierung,und die Nation hat das Recht, von der Regierung zufordern, daß, wenn wirklich ein Krieg nicht vermiedenwerden kann, dann die Negierung denjenigen Zeitpunktwählt, ihn zu führen, wo er für das Land, für die Nationmit den geringsten Opfern, mit der geringsten Gefahrgeführt werden kann. (Beifall rechts.)

Ich könnte noch neue Beispiele anführen, wo es für