Druckschrift 
5 (1887) Der Reichskanzler Fürst Bismarck : 1870 - 1871
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

Der Antr. Schulze-Delitzsch weg. Diäten u. Reisek. d. Nbg. s 5,7

sonst können alle diejenigen Leute, die noch etwas Anderesin der Welt zu thun haben, — und Gott sei Dank sindwir Deutsche derart, daß jeder so ziemlich seinen Berufhat, dem er sich nicht entfremdet —, ich sage, sonstkönnten diese Leute sich nicht bereitwillig und mit vollerHingabe dazu herbeilassen, als Wahlkandidaten aufzu-trete». Nur kurze Parlamente machen es möglich, daßalle Berufskreise, und gerade die tüchtigsten und treuestenin ihrem bürgerlichen Beruf, sich die Zeit abmüßigenkönnen, daß sie dem Vaterlande auch hier an dieserStelle ihre Dienste weihen.

Nun ist das, meine Herren, eine Erfahrungssache,daß diätenlose Sitzungen immer kürzer sind als diejenigen,bei denen Diäten gegeben werden. Es ist das ganzohne Frage, wir können im preußischen Landtage denVergleich ziehen: das Herrenhaus hat immer die Neigung,die Sitzungen abzukürzen, das Abgeordnetenhaus hatdie Neigung, seine Thätigkeit noch weiter fortzusetzen-(Heiterkeit.)

Ich bin weit entfernt, in den Diäten das alleinWirksame zu sehen, ich glaube vielmehr, daß darin sichschon die Wirkung fühlbar macht, die ich vorher als zuvermeiden charakterisierte. Es gibt im preußischen Ab-geordnetenhause mehrere Mitglieder, die es zu ihremLebensberufe geradezu gewählt haben, ihrem Vaterlandein dieser Richtung vorzugsweise zu dienen und ihre an-deren Geschäfte mehr in den Hintergrund treten zu lassen.Es gibt wenigstens einen Kern von Abgeordneten, dienach der Thätigkeit, die sie ihrem Mandat als Abge-ordnete widmen, nach den Vorstudien, die sie zu denSitzungen machen, nach den gründlichen Prüfungen derSachen, die sie vertreten, gar nicht ini staube sind, daneben