Zur Judenfrage.
27
^ gehört! Man führt zur Entschuldigung dieser Fehler
j au, daß sie aus den gedrückten Verhältnissen der Inden
- notwendig hervorgehen müßten. Wenn ich mir die Veden
von gestern vergegenwärtige, so möchte ich glauben, daßwir in den Zeiten der Judenhetzen lebten, daß sich jederJude täglich alles das müsse gefallen lassen, was derehrliche Shplock erdulden wollte, wenn er nur reichwürde. Aber davon sehe ich nirgend etwas, sondern ichsehe nur, wie gesagt, daß der Jude nicht Beamter wer-den kann, und nun ist mir doch das eine starke Schluß-. folge, daß, weil jemand nicht Beamter werden kann,
er ein Wucherer werden müsse. Einer der Abgeordnetender pommerschen Ritterschaft (Abg. v. Gottberg) ist soweit gegangen, zu behaupten, daß die Juden von jederl edleren Beschäftigung, mit Ausnahme des Handels, aus-geschlossen seien. Das einzige aber, wovon sie ausge-/ schlossen sind, ist der Hafen der Bureaukratie, und ichl appelliere an den geehrten Redner selbst, ob er in seinerBehauptung nicht zu weit geht, indem darin liegt, daßnur das Beamtentum und der Handel edle Beschäf-tigungen sein sollen. Einem andern Redner möchte ichmich eher anschließen, welcher die Inden emanzipieren> will, wenn sie selbst die Schranken niederreißen, die sieI von uns trennen. Die hohe Versammlung hat sicht einige Anekdoten vorlesen lassen, sie wird also auch mirI gestatten, eine zu erzählen, durch welche ich darthue, wieIst wenig die Juden geneigt sind, von der Starrheit ihrerGebräuche zu lassen.
Ein jüdischer Gelehrter von hohem Ansehen, denst- ich nicht nennen will, den ich aber privatim jedem derst) Anwesenden nennen werde, der es zu wissen verlangt,den viele von uns kennen, und der in einer der größeren