Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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wenn nicht von außen diesen: Wachstum ein Damm entgegen-gesetzt, ein anderes Element in ihn hineingepflanzt wird. Ausseiner eigenen Natur entwickelt sich nicht das Prinzip des Guten,und die entwickelten formalen Kräfte dienen ihm nicht. DasGesetz muß ihm gegeben, der böse Wille muß gebrochen, derGehorsam gegen dieses äußere Gesetz muß ihn: anerzogen werden,eine äußere Autorität muß ihn beherrschen. Diese äußereAutorität ist auf dem religiösen Gebiete das geoffenbarte Wortmit seinen Auslegungen in den Symbolen, auf dem politischender souveräne Wille des gleichfalls von Gott stammendenHerrschers,-dessen Wille Gesetz ist, ist auf dem sozialen Ge-biete das Herkommen und auf dem pädagogischen derErzieher, sei es der Vater oder der Lehrer oder Meister,welcher sich selbst jenen Autoritäten unterwirft und durch seinBeispiel den Zögling nachzieht. Alle diese verschiedenen Rich-tungen desselben Prinzips haben den Zweck, den Menschen unter-than zu machen einer äußeren Autorität.

Der pädagogische Absolutismus erstreckt sich über die beidenSeiten der Thätigkeit des Erziehers oder Lehrers, über dieDoktrin, wie über die Disziplin. In jener Beziehung,auf den: Gebiete des Lerneus und Übens, wird dem SchülerdasWahre" vorgesagt oder vorgelegt, und er wird nachvorgelegten Regeln und Vorschriften in Fertigkeiten geübt.Er lernt, waswahr" ist, er lernt die Wahrheit auswendig(ein sehr bezeichnender Ansdruck; deshalb hat er sie auch aus-wendig und sie bleibt ihm auswendig). Der unabänderlicheKoder der religiösen Wahrheit ist der Katechismus, für denzu machenden Katholiken der römische, für den Calviner derHeidelberger, für den Lutheraner der Lnthersche. Das Reposi-torimn, in welches seine Worte niedergelegt werden, ist das Ge-dächtnis. Nicht verstehen, einsehen und begreifen, sondernglauben, auswendig lernen und im Hersagen geübtwerden ist Grundsatz des pädagogischen Absolutismus.

In einer der eben beschriebenen ganz ähnlichen Weise wirddas übrige notdürftige Wissen dem Schiller angeeignet und dieFertigkeiten, namentlich Schreiben und Rechnen, werden nach