364
fehlen, well man nicht nur einsieht, daß es kein edleres, sondernauch kein wichtigeres und schwierigeres Geschäft giebt, als dasder Menfchenbildung, sondern auch einsieht, daß man wie einNarr handelt, wenn mau in dieser Beziehung etwas, was möglichist, versäumt, weil man nachher für Zuchthäuser das Zehn- undHundertfache und doch größtenteils vergebens verwenden muß.Das wird daun geschehen, wem: mau aufhören wird, auf Erdensterbliche und mangelhafte Menschen anzubeten, anfhören wird,für Glanz, Prunk und Schimmer zu sorgen — wennalle Religionsgesellschaften es als ihre Hauptaufgabe begreifenwerden, durch den Blick nach oben die Kraft zu stärken, nachder Seite und nach unten zu wirken — kurz wenn man dieThätigkeit und Sorge für die ganze Nation und insonderheitfür die Jugend der Nation als die Aufgabe aller aufzufasseuwird gelernt haben. —
10. Die Rosten des Seminars.
Die öffentliche Erziehung ist die Sache des Staats, derGemeinschaft; der Staat erzieht und bildet die öffentlichen Lehrer:folglich übernimmt der Staat die Kosten der Lehrer-Bildungs-anstalten. Daneben mögen Privatpersonen es versuchen, Privat-seminare zu errichten. Die Konkurrenz bringt auch hier demGanzen nur Vorteil. Wenn aber der Staat seine Schuldigkeitthut, so wird Privatpersonen die Konkurrenz sehr schwer werden.Unter den bisherigen, gedrückten Lehrerverhältnissen mußte derStaat junge Leute zur Wahl des Schullehrerberufs herbeilockeuund sie unterstützen. Dieses wird auch so lange notwendigbleiben, solange die Aussichten auf anständiges Auskommen,äußere Stellung und Achtung so dürftig sind als bisher; nachheraber wird das nicht mehr nötig sein. Der ganze Stand derSchullehrer bleibt ein gedrückter, wenn nur Jünglinge aus denuntern Ständen den Schullehrerberuf ergreifen. Wie kann einSeminar ersetzen, was die ersten achtzehn Lebensjahre, was diehäusliche Erziehung versäumt hat?
11. Präparanden-Äilstalten.
In keiner Forderung sind die Lehrer einstimmiger, als inder, daß die Präparanden-Anstalten aufhören müssen. Ich stimme