Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

350

Der Eimvurf, daß sich künftige Landschullehrer durch dasStadtleben von der Einfachheit der Gewohnheit des Daseins undWirkens entwöhnen, will nach meinem Bedünken nichts bedeuten.Einmal ist es mit dem Leben der Seminaristen unter denStädtern so weit nicht her; zweitens ist es notwendig, daß erbäurische Sitten und Kleidung ablegt; der Lehrer soll kein Bauersein, was Herr v. Kamptz seligen Andenkens verlangte; drittensentwöhnt man sich in drei Jahren nicht von der Liebe zumLandleben, wenn die Neigung dazu vorherrscht; viertens läßtsich gegen alles Ungehörige Vorkehr treffen durch die Einrichtungund den Geist des Seminars. Freilich, wenn man die Zöglingezu geckhaften Narren, abgeschmackten und hochbeinigen Halb-wissern und eitlen Genußmenschen bildet! Aber das kann dochnicht vorausgesetzt werden, kann auch auf dem Lande fast ebensogut geschehen, wie in der Stadt. Darum sage ich mit denPommern:Die Seminare bleiben in größeren Städten," unddie in ganz kleinen werden in solche verlegt. Daß aber einSeminar eines größeren Raumes bedarf, als eines Hauses mitLern- und Schlassälen, versteht sich von selbst. Es darf wederGarten, noch Spiel- und Turnplatz fehlen u. s. w.

8. Das Lehrcrperfonal.

Die Direktoren und Lehrer der Seminare sagen dieRheinpreußen feien akademisch-gebildete praktischeSchulmänner; seien sagen sogar die Schlesier möglichstvielseitig gebildete Lehrer; seien sagen die Posenerausgezeichnete Elementarlehrer!

Jenes und dieses sind Extreme, die Schlesier halten dieMitte, ich stimme mit ihnen.

Die praktischeDurchbildung, die Bildung durch dieSchule verlangen Alle. Darin bekunden die Lehrer die richtigeEinsicht. Sie wissen, was für Wunden die Vorliebe zu Theo-logen oder Priestern als Direktoren und Oberlehrern den Seminarengeschlagen hat; eins der größesten ist daran Todes verblichen.Nichts Sonderbareres, Irrigeres und Abstruseres als die Meinung,der Geistliche, unsere Geistlichen, eigneten sich ganz besonders,