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2 (1890)
Entstehung
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bedeutendsten Augenblicken mit der lebendigsten Überzeugungfühlt, daß ein göttlicher Geist ihn treibt; wer sich nicht wenig-stens denn noch geringeres könnte in der That für gar nichtsgehalten werden feiner Gefühle als unmittelbare Einwirkungendes Weltalls bewußt ist, dabei aber doch etwas Eigenes inihnen kennt, was nicht nachgebildet sein kann, sondern feinenreinen Ursprung aus seinem Innersten verbürgt, der hat keineReligion. Aber in diesem Besitz sich zu wissen, das ist derwahre Glaube; glauben hingegen, was man gemeinhin so nennt,annehmen, was ein anderer ges agt oder gethan hat,Nachdenken und nachfühlen wollen, was ein anderer gedacht undgefühlt hat, ist ein harter und unwürdiger Dienst, und statt dasHöchste in der Religion zu sein, wie man wähnt, muß es geradeabgelegt werden von jedem, der in ihr Heiligtum eindringen will.Einen solchen nachbetenden Glauben haben und behalten wollen,beweiset, daß man der Religion unfähig sei; ihn von andernfordern, zeigt, daß man sie nicht versteht. Ihr wollt überall aufeuern eignen Füßen stehen und euern eignen Weg gehen, unddieser würdige Wille schrecke euch nicht ab von der Religion.Sie ist kein Sklavendienst und keine Gefangenschaft, an: wenigstenfür eure Vernunft, sondern auch hier sollt ihr euch selbst an-gehören; ja dies ist sogar eine unerläßliche Bedingung, ihrerteilhaftig zu werden. Mit eignen Augen soll jeder sehen, undselbst einen Beitrag zu Tage fördern zu den Schätzen der Religion;sonst verdient er keinen Platz in ihrem Reiche und erhält auchkeinen. Ihr habt recht, die dürftigen Nachbeter gering zu achtenu. s. w."

Warum, muß man fragen, befolgt man nicht die darinliegenden Mahnungen, warum wartet man die erforderliche Ur-teils- und Erkenntuisreife des jungen Menschen nicht ab? Ichweiß es nicht. Die also Handelnden erwecken den Schein, alsbefänden sie sich in der (entehrenden) Alternative, entweder zuPapageien- und staarartiger, wortschallmäßiger Anlehrweise ihreZuflucht nehmen zu müssen, damit doch etwas von der allein-seligmachenden Heils lehre an die Kinder komme; oder daß siefürchten, es zu erleben, daß die später Lernenden, Gereifteren,sowohl für die einmal beliebte Methode, als auch für den Jn-

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