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2 (1890)
Entstehung
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libertinistische,* eine zuin Dünkel, Eigensinn und Eigenwillenführende, heißen können, ninnnerniehr aber eine liberale, d. h.eine solche, welche den Menschen nicht bloß von der Willküranderer, nicht bloß von der Schwäche und den: Despotismusanderer, sondern auch von der eigenen Unmannhaftigkeit befreiet.Es giebt einen Servilismus gegen andere, aber es giebtaucheinen Servilismus gegen sich selbst, gegen seine Launenund seine Charakterlosigkeit. Welcher der schlimmere sei, brauchtnicht gesagt zu werden; sich selbst trägt man immer mit sich.Wer sein eigener Sklave ist, ist in allen Augenblicken ein Sklave.Also von diesem Ziele kann nicht die Rede sein, vielmehr vomgeraden Gegenteil. Die den Menschen frei entwickelnde Erziehungwill den kultivierten, den seiner selbst Herr gewordenen Menschenaus ihrer Pflege hervorgehen sehen. Zu diesen: Ziele führt nichtschwächliche Sentimentalität, weibliche Verwöhnung, unmännlicheBehandlung. Wer eine Erziehungsweise, die es nicht über sichgewinnen kann, einem losen Buben entgegenzutreten welcheTertianer und Sekundaner wie junge Gentlemans behandeltes duldet, daß Quartaner und Tertianer einen Lehrer ans-

*Unsere Liberalität soll sich nicht in Nachsicht gegen Mangel an Ord-nungssinn zeigen, auch wenn er unschuldig, unschädlich und von dem Vor-wurfe der Unsittlichkcit ganz frei ist. Ich halte es für einen großen Vorzug,wenn in einer Schule eine wirklich militärische Ordnung und Pünktlich-keit herrscht: ich sehe in ihr, von ihrer Brauchbarkeit abgesehen, eine vor-treffliche Übung in der Kunst, sich selbst Zwang anzuthun, sehe in ihr dengeradesten Weg zu einer wirklichen sittlichen Tugend, zum Anstandsgefühl.Und wenn sich meine Strenge in diesem Punkte bis zum Pedantismussteigert, so rechne ich mir dies selbst als Lob an."Wenn auch allerWünsche befriedigt werden, an die Jugend darf die Reihe der Emanzipationnicht kommen. Der Unterschied von jung und alt ist so tief in derNatur gegründet, ist so offenbare Gottesordnung, daß nur die Raserei eineGleichstellung versuchen und wünschen kann. Die Jugend muß gehorchen,sie muß auch in vielen Fällen blind gehorchen. Die Geschichte lehrt uns,daß gerade die Völker, welche die kräftigsten, freiesten Männer erzogen, dieanspruchloseste, gehorsamste, demütigste Jugend aufwiesen, gleichsam alswollten sie mit dem Genuß der Freiheit früh kargen, um dann in derAltersreife vollauf zu besitzen und den zusammengesparten Vorrat zu ge-brauchen. Wahrlich es ist nicht die Zeit, wo man die Jugend vor demGefühl der Ehrfurcht zu warnen nötig hätte!" Döderlein.