Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

205

Lerumasseu, die Langweiligkeit der Methode. Pestalozzi hat demmaterielleil und formellen Dämon den Todesstoß gegeben, wennauch der alte Philister noch nicht überall völlig verstorben seinsollte. Alte Jrrtnmer und eingefleischte Gewohnheiten haben einzähes Leben. Aber kein Pädagog hat so sehr ans praktisch-fruchtbaren Unterricht gedrungen, mit solcher Schärfe, ja Bitter-keit, auf die heillosen Folgen desNnterrichtslurns", wie er ihnnennt, hingewiesen, auf die Notwendigkeit der Vereinfachung desUnterrichts und die schönen Folgen des Interesses, welches derLehrer den Kindern eiuzuflößen weiß, wie Pestalozzi. Wenngroße Geister, getrennt voneinander, dasselbe denken, so mußdies für die Annahme der Richtigkeit ihrer Anschauungen stimmen.

Hören wir einen zweiten Ausspruch von der Bettine!

Eine Zeitlang hat alles, was ich im Leben erfahren Hab', wie einehölzerne Maschine ans mich gewirkt. So der ganze Religionsunterricht. Dermachte mich völlig dumm. Z. B. die Lehre, mit welchen Waffen die Ketzerzu bekämpfen, mit welchen Grundsätzen sie bekämpfen da kam mir Ketzer,Waffe und Glaube, alles, wie Unsinn vor, und hätte ich meine Zufluchtnicht dazu genommen, gar nicht zu denken, so wäre ich ein Narr geworden.Ist Gott ein katholischer Christ, oder ist er wie du (Gnnderode) ein Ketzer?"Alles, was man lernen muß, hüllt den Verstand in eine Nebelkappe,daß die Wahrheit uns nicht einlenchte. Alles, was wir zu thun bewogensind, ist Eselei."

Also spricht die Naturfrau iu ihrer deutschen, genial-auf-richtigen und derben Weise über den empfangenen Religionsunter-richt iu derGünderode". In dein ihrem Bruder Clemens,dessen Bitte, ihre Jugeudgeschichte zu schreiben, sie leider nichterfüllt hat, gewundenenFrühlingskrauze" kommt eine verwandteStelle vor:

Hier liegen wir im Staube, vor dir, Gott Zebaoth!"" so mußtenwir im Kloster singen, und nachdem ich's jedesmal mitgesnngen hatte, be-sann ich mich eines Tages, was es denn wohl heißen möge, es schwantemir, als ob dem Gott der Menschheit ein Götze gegenüberstehe, der Zebaothheiße, denn Gott und Mensch konnte ich nicht trennen und kann es nochnicht, und Staub lecken vor dem Zebaoth, das heißt mich eine innere Stimmebleiben lassen, wenn ich Frieden haben wollte mit dem rechten Gott, der inden mondverklärten Wolken abends sich ins Gespräch mit mir einließ überallerlei, und mir Recht gab, wo aberwitzige Menschen es besser wissenwollten. Wozu habe ich alles erfahren in jenen Kinderjahren? Wurzeln