Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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Pestalozzi wußte davon nichts, und eine Frau Niedererwird auch nicht viel davon wissen. In dem de Laspöschen Institutezu Wiesbaden lösten die Töchter des Oberbergrates Kramer,wie die Knaben, die geometrischen Aufgaben, und ich habe nachheran ihnen durchaus keinen Abbruch an weiblichen Eigenschaftengefunden, wohl aber dagegen erlebt, daß sie in vorzüglichemGrade befähigt waren, in männlich-ernste Gespräche einzugehenund die Idee einer (männlichen) Knabenerziehung zu fassen. Neinwahrlich, eine verständige, denkende, kenntnisreiche, durch Strengedes Unterrichts gekräftigte Frau ist auch eine Zierde ihres Ge-schlechts.

Wir wollen in unfern Knaben Männer für die Freiheit imweitesten Sinne des Wortes erziehen; bilden wir dazu in Hausund Schule die künftigen Mütter unserer Söhne vor?

Wir Männer verlangen Frauen, welche unsere Zwecke nichtnur verstehen, sondern sich zu deren Erreichung mit uns verbinden;erziehen wir dazu in Haus und Schule die nötigen Frauen?

3. Es fehlt in dem gesellschaftlichen Leben demerwachs enen männlich en Ges ch lecht, dem heran-reifenden weiblichen gegenüber, au der rechtenWürde, und darum dem weiblichen an derrechten Stellung.

Wer hat es nicht schon gesehen, daß Männer, selbst vonBedeutung, von hoher Stellung und von Verdiensten, sich Heran-wachsenden Mädchen und Jungfrauen gegenüber wie die Stutzergebärden, sich in schmeichelnden Redensarten ergehen, ihnen denHof machen!

Sonst fühlte das Mädchen es als eine Auszeichnung undeine Ehre, von einein würdigen Manne einiger Aufmerksamkeit,z. B. einer Unterhaltung, gewürdigt zu werden. Und jetzt!

Wie alle gerade und richtige Auffassung des Lebens ver-wirrend muß es auf ein Mädchen, das in der Periode lebt, indem man Lebensausichten bildet, wirken, wenn es sich überall sonaturwidrig von Männern behandelt sieht! Wir haben keinerechten Frauen, weil wir keine rechten Männer haben, und wirhaben keine rechten Männer, weil wir keine rechten Mütter haben.