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Städten geschehen sein, wenn in ihnen eine Begebenheit an dasLicht getreten wäre, für sie ebenso ungewöhnlich, so neu, so nochnicht da gewesen, wie der Abend des 29. Novembers für Berlin!
Kein Blatt hätte geschwiegen, kein Blatt hätte in den nächstenWochen geschwiegen, tausend Federn hätten sich sofort in Be-wegung gesetzt, die Federn nicht bloß »„gestellter und bezahlterRedaktoren und Litteraten, sondern der Staatsmänner, Depu-tierten, Kommnnalbeamten und Bürger. Jeder denkende, schreib-fähige, patriotisch-gesinnte Mann würde geglaubt haben, sichselbst zu verleugnen, wenn er nicht alsbald mit Rat und Thatbei der Hand gewesen, wenn er nicht in einer so wichtigen, soschwierigen, so dunklen, so weit greifende» Angelegenheit seineMeinung gesagt. Oder ist etwa über dieselbe nichts zu sagen?Sprechen wir nicht darüber? Denken unsere Beamten nichtdarüber nach? Reicht es hin, ein paar Männer zu erwählen,damit sie über die Sache Nachdenken, über eine Sache, die keineinzelner, weder in ihren Ursachen, noch in ihren Wirkungen,noch in ihren Mitteln vollkommen durchschaut? Haben wir dasUnsrige damit gethan, daß wir einen Stimmzettel abgaben, unddürfen wir uns nein, nach wie vor, auf die Bärenhaut legen?
Ich für mein Teil kann es nicht, es treibt mich. Ich weiß,gar sehr viele sehen in der Sache schärfer als ich; ich habedarum die Veröffentlichung ihrer Ansichten erwartet; ich wollteihnen dankbar lauschen; zehn Tage habe ich geharrt, aber größten-teils vergebens. Nun bleibt mir, um mir nicht selbst den Vor-wurf machen zu müssen, den ich ander» gemacht, nichts übrig,als selbst zur Feder zu greifen und zu meinen Mitbürgern einWort zu reden. Bernfeil oder unberufen? — ich weiß es nicht.In Angelegeilheiten, wie die vorliegende, ist jeder berufen, nichtbloß der, welcher wirklich etwas Gutes zu sagen hat, sondernauch der, welcher von Teilnahme zum Sprecheil getrieben wird.In Dingen, die alle berühren; in Dingen, die nur gedeihenkönnen, wenn sich alle daran beteiligen; in Dingen, die schondurch die bloße Teilnahme gefördert werden: in solchen hat jederden Beruf zum öffentlichen Auftreten. Und so gehe ich, ohneweitere Entschuldigung und Ängstlichkeit, daran, in einer öffent-
Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Aufl. II. 7