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bare Buch zu besitzen uud zu beuutzeu, entstaub das allgemeineBedürfnis, lesen zu können. Man wollte lesen lernen, um dieheiligen Schriften lesen, später auch, um die Kirchenlieder lesenund singen, und um den Katechismus lernen zu können. Mairerrichtete in der Absicht Schulen für Kinde r. Es waren wesent-lich Leseschulen. Alan lernte hauptsächlich lesen, nebenbei singen,,und prägte dem Gedächtnis Sprüche und Lieder und den Katechis-mus ein. Anfangs thaten es die Geistlichen, nachher übertrugman das Geschäft den niederen Kirchendienern, den Kautoreirund Küstern. Der Beruf des Kantors und Küsters war das-Haupt-, der des Schulmeisters das Nebengeschäft. Die Kinderzahlten monatlich ein geringes Schulgeld; eines mehreren schienes nicht zu bedürfen, da der Schulmeister Einkünfte von derKirche bezog.
Große Ansprüche an Bildung machte man an ihn nicht,,man konnte sie nicht mache». Wenn er die genannten Fertig-keiten den Scholaren anzueignen und sie in Ordnung zu erhaltenwußte, so war man mit ihm zufrieden. An Bildungsanstaltenfür Schullehrer dachte niemand.
Eigentliche Schul b ü cher gab es nicht. Die Kinder lerntendas Lesen in der Bibel, besonders in dem Psalter; nachher lasensie Stücke des Alten, zuletzt des Neuen Testamentes.
Jedes Kind las für sich; das Zusammenlernen kannte mannicht. Ein Kind nach dem andern trat an den Tisch, wo derMeister saß. Derselbe zeigte ihm die einzelnen Buchstaben, nannteihm deren Namen, das Kind sprach sie nach, übte sich in derenErkennen und Behalten, sprach dann die Namen der Buchstabender Wörter hintereinander und lernte so, durch sogenanntesBuchstabieren, allmählich lesen. Es wurde ihm schwer, sehrschwer. Gewöhnlich vergingen Jahre, ehe es einige Fertigkeitin dieser Kunst erlangt hatte; viele lernten sie in vier und mehrJahren nicht. Es war nachmachende, rein m echanische Arbeit,von seiten des Schulmeisters wie der Kinder. Das Gelesene zuverstehen — daran wurde sehr selten gedacht. Die Silben wur-den mit gleicher Stärke betont, das Lesen geschah ohne Ausdruckund Anmut.