Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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Mer das Lateinlernen in den höheren Bürgerschulen.

Tiefgreifend wird es für deutsche Bildung wirken, wennwir den Unterricht der Jugend des höheren Bürgerstandes ganzdeutsch, d. h. modern deutsch, für das jetzige europäisch-deutscheLeben einrichten. Darin liegt das doppelte:

1) daß wir aus den betreffenden Schulen, höheren Bürger-schulen, alles Undeutsche und Unmoderne entfernen;

2) daß wir sie durch deu Unterricht in das Leben derGegenwart einführen. Vor jener negativen Forderung kann derUnterricht in der lateinischen Sprache, der doch nur Stück-werk bleibt, nicht bestehen, man verteidige ihn, wie man wolle.Ich nenne hier gar keine Gründe, ich appelliere an das Bewußt-sein des deutschen Bürgers. Die Gelehrten wissen viel darüberzu reden; höhere Verfügungen haben den Bürgerschulen wegender Anforderungen an Subalternbeamte, für welche die betreffen-den Staatsbehörden das Lateinische für notwendig erklärt haben,aufgezwungen; die Magistrate der Städte, welche aus ihrenFonds Bürgerschulen errichtet haben, würden nimmermehr durcheigene Einsicht für den höheren Gewerbestand das Lateinischeallgemein begehrt haben. Meinetwegen lehre man es denen,welche es begehren; aber der Zwang, der dadurch entsteht, daßkeiner ohne Kenntnis des Lateinischen zur Entlassungsprüfungzugelasseu wird, höre auf. Der Industrielle braucht das Latei-nische nicht. Die halbe Kenntnis desselben bleibt Stückwerk,alles andere wird nur schlechter gelernt, der Lehrplan und durch