Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
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Aber da würdest du dich sehr irren. Ich habe eine hohe Meinungdavon. Nicht deswegen, weil ich selbst auf den Genuß der Speisenoder gar der Leckereien einen Wert lege, nein, ich erwarte vomgesunden Lehrer, es ist ihm ziemlich gleichgültig, was er genießt;aber das Kochen ist ein höchst achtungswertes Geschäft. Es nährtund erhält de» Leib, das Hans der Seele, den auch äußerlich gott-gebornen Menschen, seine Schönheit, Kraft und Frische. Oderist es für diese hohen Güter gleichgültig, was man genießt, wiedie Speisen znbereitet werden?

Ich halte die Berücksichtigung dieser Rücksicht für eine ihrerersten Pflichte». Der Lehrer kann nicht leben wie der Drescheroder der Matrose. Wer eine oder zwei Stunden nach demMittagsbrot lehrhaftig und lehrlustig sein soll, dem darf eineharte, unverdauliche Kost nicht vorgesetzt werden. Nur ein rohesWeib wird darauf keine Rücksicht nehmen. Darum kein Wortmehr davon.

Aber noch ein Wort von der Ruhe des Gemüts.

Blassen Antlitzes und mit gefurchter Stirn kehrt heute deinMann aus der Schule in das Haus zurück. Dem Gruße, dener dir und den Kindern mitbringt, fehlt heute die Frische, dieLebendigkeit; du fühlst ihm an: Kummer erfüllt seine Seele.Was willst du nun thun, wenn du seine Freundin bist seineFreundin! Ist dieses etwa ein gemeines, mißbrauchtes Wort?Eylert erzählt in seiner gemütreichen Biographie des hochseligenKönigs Friedrich Wilhelm IH., daß seine unvergeßliche GemahlinLuise ihn in den schönsten Stunden ihres Lebens ihrenFreund" nannte. In diesem Sinne sei d», Lehrerfrau, dieFreundin deines Mannes! Wie lind auf welche Weise, das wirddir dein Gefühl sagen. Aber glaube nur, es ist ein segensreichesGeschäft, deil Kummer aus dein Herzen eines Mannes zu ver-scheuchen, Friede und Ruhe in sein Gemüt zurückznführen undso ihn von neuem fähig zu machen, seinen Berns mit Glück undErfolg zu erfüllen. Das Wollen ist auch hier in der Regel schondas Vollbriilgen. So wie das bekümmerte Herz nur die zärtlicheBemühung einer befreundeten Seele wahrnimmt, ihn von demKummer zu befreieil er sängt an sich zu lösen, der Horizont