166 Die schlesivig-holsteinische Frage. 1863—1864.
eigentümliche Naivität unzünftiger Politiker, von derTribüne aus dasjenige anzuführen, was die empfohleneKombination gründlich unmöglich macht und das Ver-trauen des andern Teils auf dieselbe vernichten würde.Der Herr Redner treibt dieselbe Politik, die man mirzumutet, wenn ich über die intimsten Angelegenheitender Kabinette offen hier sprechen soll, wenn er sagt,wir könnten dem Schweden Jütland gelegentlich wiederabnehmen, wir geben es ihm mit der Absicht, es ihmgelegentlich wieder abzunehmen, sagen ihm aber vorher,daß wir ihn übers Ohr hauen wollen u. s. w. SolcheDinge kommen wohl vor, aber wenn man solche Politiktreiben will, so posaunt man es wenigstens nicht vonder Tribüne aus. Sodann habe ich das Bündnis derGroßmächte — und auf diese Worte bitte ich Gewichtzu legen — nicht als Basis der staatlichen EinheitDeutschlands empfohlen; daß diese damit nicht erreichtwerde, sagt sich wohl jeder; aber als die einzig möglicheBasis deutscher Einigkeit; so lange verschiedene deutscheStaaten bestehen, ist dieses Bündnis der Großmächte dieeinzige Möglichkeit, sie in Einigkeit zu erhalten; undwenn derselbe Herr Redner mit dem ihm eignen Pathoserklärt hat, was den Bund angehe, so müsse man dasschmutzige Wasser nicht eher sortgießen, ehe nicht reinesvorhanden sei, so bemerke ich ihm, daß gerade, weil wirdieses Wasser, welches nicht durch uns getrübt wordenist, sondern von andrer Seite her, nicht ausgießen wollen,so halten wir die Einigkeit beider Großmächte für nötig,denn wie soll das Zusammenhalten der Bundesstaatenerreicht werden, wenn die beiden Hauptmächte in Zwie-spalt leben; es hätte gerade der Herr Redner ans derCitation meiner Depesche, welche vor übereilter Zer-