Druckschrift 
2 (1885) Der Ministerpräsident v. Bismarck-Schönhausen : 1862 - 1866
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

Nochmals die polnische Frage.

99

auswärtigen Politik Ihrerseits unterstützen, wenn siesolche Wege einschlägt, die in Ihrer eignen Richtungliegen, die Erreichung der Ziele nicht fördern kann.

Der Abg. v. Shbel kam darauf zurück, daß dis Kenntnisdes Inhaltes der Konvention auf den Eröffnungen beruhe, welchedie preußischen Gesandten in Paris und London, Graf v. d. Goltzund Graf Bernstorff an die Regierungen, bei denen sie beglaubigtfeien, abgegeben hätten: „Wir haben heute auf das bestimmtestevon dem Herrn Ministerpräsidenten gehört, daß diese Eröffnungenungenau gewesen seien, daß sie den wahren Inhalt der Konventionnicht ausdrückten — wie aber in aller Welt kommt es nun, daßunter den fortdauernden wärmsten Verhandlungen diese Eröffnungenden Großmächten gegenüber niemals berichtigt worden sind?" DerMinisterpräsident stellte diese Zweifel folgendermaßen klar:

Ich muß doch im Interesse der Vertreter der Re-gierungen im Auslande bemerken, daß sie nicht die Er-öffnungen unsrer Gesandten kennen, sondern nur dieMitteilungen der fremden auswärtigen Minister überdasjenige, was sie teils non den preußischen, teils vonden russischen Gesandten und, wie ich glaube hillzufügenzu können, aus den Berichterstattungen ihrer Agenten inPetersburg oder anderswo vernommen haben. Ich ver-weise namentlich darauf, daß Lord Ruffel sich in seinenAeußerungen mit einer den Umständen wohl angemessenenZurückhaltung darauf bezog, daß er unsre Verabredungennur vom Hörensagen aus verschiedenen Quellen kenne.

Wenn der Herr Vorredner die Rektifikation irrigerAngaben vermißt, so kann ich ihn darüber beruhigen.Die Kabinette sind vollständig über die unrichtigen Vor-aussetzungen aufgeklärt, wir haben aber nicht die Ge-wohnheit, Depeschen und Verhandlungen sofort zu pu-blizieren. Ein unrichtiges Verständnis von Verhand-lungen zwischen fremden Kabinetten entsteht sehr leicht