82 Der Militärkonflikt 1862—1863.
an den fremden Höfen in neuester Zeit außerordentlichund über das früher gewöhnliche Maß vermehrt; esbefinden sich in Paris beispielsweise gegenwärtig einenglischer Botschafter, ein russischer, ein spanischer, eintürkischer, ein österreichischer und der päpstliche Nuntius,der den Rang und die Prärogativen eines Botschaftershat. Ich glaube nicht, daß alle diese Kabinette ihrePolitik und Diplomatie schlecht verstehen, und daß sie"Neigung haben, ihre Titel und Gelder für eine Ver-tretung herzugeben, von der sie nicht glauben, daß sieden Zwecken des Landes diene, und daß die richtigeAnsicht, wie ein Staat im Auslande vertreten werdenmuß, bei uns allein in der Presse und der hiesigenDebatte vorhanden, der die Regierung aber fremd sei.Glauben Sie, daß wir damit Diplomatie machen können,daß unser Gesandter, wie der Vorredner andeutet, ineinen Salon eintritt und sagt: Ich bin der Mann, der200 000 Soldaten hinter sich hat? So machen sich dieSachen nicht, die Prärogativen der Botschafter erleich-tern den Zutritt nicht bloß zu dem Souverän, sondernauch zu dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten.Die Geschäfte werden nicht überall mit derselben Zu-gänglichkeit betrieben, wie es bei uns der Fall ist; anandern Höfen setzt der Minister bestimmte Stunden aneinem oder zwei Tagen der Woche fest, wo er das ganzediplomatische Korps empfängt. Dann finden sich die-jenigen, die mit ihm zu thun haben, ein und warten,bis die Reihe an sie kommt. Die Zahl ist mitunterziemlich groß, und ein Gesandter, der, wenn der Em-pfang beispielsweise von 12—3 Uhr stattfindet, von12 Uhr an gewartet hat, läuft die Gefahr, daß, wennum 2 Uhr die Reihe an ihn kommt, ein Botschafter