Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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andere sind sie vom Übel; aber mich für andere werden sie einhohes, durch nichts zu ersetzendes Gut. Darum hat die Frage:Was heißt lesen? auch für uns eine Bedeutung. Ich werdesie kurz beautworten.

Lesen heißt erstens: Verstehen.

Das ist für sich klar; geschrieben und gedruckt wird, umGedanken durch die Schrift darzustellen. Dem Schreiber kommtes darauf an, daß der Leser diese anffasse. Wer das nicht kann,oder zu flüchtig ist, um es zu thuu, erreicht den nächsten Zweckdes Schreibens und Drückens nicht. Die Frage:Verstehst duauch, was du liesest?" ist darum überall die erste.

Zum Verstehen des Autors, sei es eines Buches, einer Ab-handlung, eines Briefes, gehört, daß wir die Begriffe kennender Wörter, deren er sich bedient, der Beziehungen, die er ihnengiebt, und den Zusammenhang aller einzelnen Teile mit deinGanzen. Daß dieses nicht immer so leicht sei, wie es aussieht,weiß jeder, selbst wenn der Gegenstand an und für sich nichtzu den tiefen gehört und der Verfasser die Gabe der verständ-lichen Darstellung besitzt. Nicht alles ist für alle. Jeder Ver-fasser setzt gewisse Vorkenntnisse, einen bestimmten Standpunktdes Lesers voraus, keiner schreibt für jeden, der mechanisch lesenkann. Mit Unrecht klagt daher derjenige, auf welchen der Ver-fasser eines Buches keine Rücksicht genommen hat, darüber, daßer sein Werk nicht verstehe. Ihn trifft nur dann ein gerechterVorwurf, wenn der mittlere Durchschnitt des Teils des Publikums,für das er schrieb, nicht hinreicht, zu verstehen, was er meint.Denn das versteht man unter dem Verstehen eines Autors: dieAuffassung seiner Gedanken, Meinungen, Ansichten. Natürlichgiebt es mancherlei Grade dieses Verstehens. Der erste verstehtihn ganz, der zweite halb, dem dritten schwankt nur etwas vondein Sinn, und ein vierter mißversteht ihn, d. h. versteht ihngar nicht inehr. Zum vollen Verständnis gehört, daß inan nichtszurückläßt, was in der Darstellung liegt, und daß man nichtshineinträgt. Begreiflicherweise findet der eine Leser mehr ineinem Werke, als ein anderer, der ihn doch auch versteht. Diesgilt namentlich von den Autoren erster Sorte. Diese drücken

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