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1 (1890)
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hören einen Menschen hundertmal, ehe wir ihn einmal lesen;kurz, jede nach Bildung für das Leben, nach wahrer Bildungihrer Zöglinge strebende Schule legt auf die bisher besprochene,unter uns leider nicht allzu häufig vorkommende Eigenschaft denentschiedensten Wert.

Pünktliches Erscheinen des Schülers in der Schule weilpünktliche Anwesenheit des Lehrers; geregelte Haltung desKörpers weil geistige Spannung des Geistes von seiten desLehrers; deutliches, bestimmtes Lesen, Antworten, Sprechen undReden weil Entwickelung von Innen Heralls und vollkommene

Aneignung des Lehrstoffes-sind es Äußerlichkeiten oder

Innerlichkeiten?

Welche Mahnungen in diesen kurzen Bemerkungen für unsLehrer liegen, bedarf keiner Ausführung. Es gilt um leiblichewie geistige, gymnastische und energische Erziehung, um Wollenund Können. In dem Mangel an Charakterbildung liegt dieSchwäche unserer Schulen, wie die Schwäche unserer Erziehungüberhaupt. Wir bilden keine Gesinnung.

In diesen Bemerkungen liegt zugleich eine ernste Mahnungfür die, denen es obliegt, den Forderungen, die die Lehrer sichselbst stellen, Vorschub zu leisten durch die Förderung der zweitenSeite der Erziehung, der leiblichen, durch Turnplätze.Der Frühling naht heran! Oder soll unsere Hoffnungabermals zu schänden werden?

Welche Mahnung endlich darin für die Eltern liegt, leuchtetin die Augen. Mit manchen liegt die Schule fast fortwährendin Fehde. Aber eine ordentliche Schule macht sich möglichst un-abhängig von ihnen. Denn ohne Selbständigkeit und Freiheitinnerhalb der durch die Natur der Dinge und der Zwecke ge-botenen Schranken giebt es auch 'für eine Anstalt keine Freude,kein Glück, und ohne Erziehung zur Selbständigkeit und Freiheitkeine wahre Bildung.

Diestsrweg, Ausgew. Echriste». 2. Aufl. I

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