Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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etwas zu leisten, was gesehen und gehört zn werden verdient,wenn es auch nicht gerade etwas Neues ist das aber wissendie nicht, die nichts versuchen und folglich nichts leisten. DieseWahrheit erklärt die in Rede stehende Erfahrung, man begreiftsie. Ein schlagendes Beispiel ihrer Bestätigung liefern jungeLeute, welche im Begriff stehen, das Lehramt anzntreten, z. B.Seminaristen. Man schickt sie in die Schule, in der sie unter-richten sollen, damit sie sich vorher durch Zuhören orientieren,den Zustand der Klasse, Lehrer und Schüler kennen lernen. Nunvernehme mau ihre Urteile über den Standpunkt der Klasse, dieLeistungen des Lehrers! Jener ist ein ganz ungenügender, tiefer,unwürdiger, die Leistungen des Lehrers befriedigen in keinerWeise, alles ist schlecht. So ist ihr Urteil. Und warum? Weilsie mit hohen Anforderungen was nicht übel ist zur Sachehinzutreten, weil sie die schwierigen Verhältnisse des Lebens undder Schule nicht kennen, weil sie sich entweder noch gar nicht,oder nicht vielseitig und gründlich genug verflicht haben. Mansagt, wenn man ihre Urteile hört:gut, Sie haben recht, esbleibt viel zn wünschen übrig wohlan, nun kommeil Sie andie Reihe, ich hoffe Gutes, Besseres von Ihnen, es soll michfreuen, wenn Sie die Schule heben, meine Anerkennung sollIhnen nicht entgehen, frisch daran!" Ach, und wie kleinlaut zeigensich dieselben viel fordernden Leute schon nach wenigen Monaten!Summa: Wer nichts leistet oder nichts zu leisteil Lust hat,stellt die ungemessensten Forderungen und ergeht sich in über-triebenen Klagen; wer sich aber ernst versucht und wirklich etwasleistet, ist bescheiden in Forderungen und zufrieden auch mitkleinen Leistungen. Darum leugne ich nicht, daß derjenige,welcher ohne Einschränkung über die Lehrerkonferenz, deren Mit-glied er ist, Klage führt, bei mir ein Vorurteil gegen sich selbstweckt. Es giebt hier Ausnahmen, wie allenthalben; ich sprechevon der Regel und die Ausnahmen sind selten. Ich appellierean die selbsteigene Erfahrung der Leser. Und doch ist es einewahrhaft widerwärtige Erscheinung: den Balken im eignen Augenicht wahrnehmen, den Splitter in dem des andern dagegen füreinen Balken halten und als solchen darstellen; an andere