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1 (1890)
Entstehung
Seite
317
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walten! Je nach dem Grade und der Energie des in demSchüler auf andern Wegen belebten religiösen Gefühls wirdsein Gemüt schwächer oder stärker erregt und bestimmt werden.Was hier der Lehrer noch zu thnn hat, kann nicht allgemeinvorgezeichnet werden ; es bleibt seinem subjektiven Standpunkteüberlassen. Sonst fehlt die subjektive Wahrhaftigkeit. In demvorwärtsliegenden, von der unsichtbaren, doch energischst lebendigenKraft ans, liegt des Wahren, Großen, Erhabenen, Objektivendie Fülle. Schon in dieser erkannten, großen, objektiven Wahr-heit liegt die religiöse Wirkung. Die Wahrheit an sich ist Re-ligion, wird Religion. Diese liegt nicht außer nud neben jener,braucht nicht von fern her hinzngebracht zu werden, darf es nicht;sie liegt darin. Es giebt keine kleinlichere Auffassung, als die,daß man meint, das religiöse Leben des Menschen beschränke sichauf gewisse Erregungen des Gefühls in dein Verhältnis desMenschen zum Menschen, z. B. im Mitleiden und der darausentspringenden Geneigtheit znm Wohlthun. Des Menschen Kopfträgt auch das Ebenbild des Schöpfers in sich. Auch in der

Intelligenz soll er ihm ähnlich werden. Giebt es größere, er-

habnere Gedanken, als die sind, durch welche wir die Gedanken,die der Schöpfer in seine Welt gelegt hat, Nachdenken? Ist seineOffenbarung in der äußeren Welt eine geringere, als die derinneren Welt? Kann in der Art seines Wirkens von einem

Höheren oder Niederen die Rede sein?

Die ganze Natur ist lauter Wahrheit, ist die WahrheitGottes. Sie ist vollkommen überall. Sie weiß nichts vonBlendwerk und Schein. Nur der Mensch hat die unglückliche

Eigenschaft, falschen Schein zu machen. Was wir von äußerem,von sogenanntem Schein, von Erscheinungen in der Natur wahr-nehmen, ist lauter Wahrheit, nichts als Sein.* Sie täuschtnicht; wir täuschen uns. In der Natur ist, wie Goethe sagt,nichts Äußeres, nichts Inneres.Nichts ist innen, nichts istaußen." Lerne kennen das große Werk, das er gemacht hat;

*Wer die Art und Weise der Erscheinung eines Dinges nicht kennt,der kennt auch die Sache nicht." Staudenmaier.