XVIII
Die drei Nagel an dem Sarge eines Lehrers.
Ich kenne drei „Nägel an dem Sarg eines Lehrers", wieman sprichwörtlich zu sagen pflegt: Streit mit den Kollegen;Zwiespalt mit dem unmittelbaren Vorgesetzten; Uneinigkeit mitder Frau.
Unglücks genug giebt es auf dieser düstern Erde. Es istdas allgemeine Los der Sterblichen. „Noch keinen" sagt derDichter, „sah ich fröhlich enden, auf den mit immer vollenHänden die Götter ihre Gaben streu'n." Auch hat jeder Standseine» eigenen Frieden, seine eigene Last. Lasten sind aber nochkeine Qualen; die drei oben angeführten Übel sind es. Siekönnen zu Höllenqualen werden; auch den rechtschaffenen, strebendenMann, und ihn zuerst, unter die Erde bringen.
Der Mann stirbt nicht so leicht; er kann schon etwas er-tragen. Die Lehrer werden geprägt. Die Verhältnisse hämmernauf ihnen, als wären sie Ambosse, herum. „Hammer oder Am-boß!" Wer das eine nicht ist, ist das andere. Welche Lehrerwaren Hämmer?
Streit — es ist ein kurzes, schnellgesprochenes, aber schweresWort. Ich meine den Streit nicht mit Gegnern, welche umeine Idee oder Sache mit uns kämpfen, Überzeugung setzen gegenÜberzeugung, uns in direkter Rede, gerade und offen, entschiedenund wahr, uns in der Lehrerkonferenz, oder in öffentlichen Schriftenwidersprechen. Das schwächt den Mann nicht, es kräftigt ihn,wie frische Luft auf Bergeshöhen und an Muttertagen. Aber
Diestermeg, Ausgew. Schriften. 2. Aufl. I. 20