die Vernichtung einer Nationalität, ein so ungeheures Verbrechen,weil ein Eingriff in die Anordnung des Allerhöchsten. — Wieviel kann Schiller auch einem Schullehrer werden!
Wie mancher sitzt auf seinem Dorfe und bringt die ganzeWoche ohne Stunden der Erhebung, der Belebung edlerer Gefühlezu! Und wie mancher hört auch in Deutschland allfouutäglichvon nichts als voir dein Menscheil in seiner Jammergestalt reden,nur Bußlitaneieu singen, und in ungeheurer Verirrung hat ernur gelernt, in der heiligen Schrift nur Trost im Unglück zusucheil. Ist es denn ein Wunder, daß solch ein Mann endlichwirklich zil einem Jammermenscheu hiuabsinkt, lind das Gefühleiner gottähnlichen Natur in sich und in jedem Kinde total ver-leugnet, nichts iil der Geschichte, nichts im Leben, nichts in sichund andern sieht als Sünde, Elend und Tod?
Diese traurige Gestalt kann keiner aunehmeu, der zu seinemFreunde in einsamen Stunden sich Schiller erkoren. Er kannnur groß denkeil vom Menschen, seiner Bestimmung und Aufgabe;er kailn nur überall, im pulsierenden Punkt des Eies, wie imSternenhimmel das Erhabene und Große erblicken, nur „ver-ehren das göttliche Walten". Denn das alles lernt er von ihm.Und die Erzieher werden es doch wissen, daß andere, wie wirselbst, erwachsen zum Höhereil durch die Umgebung, den Umgangmit dein Höheren. Wer Schiller liebt, liebt das Erhabene,Ewige; wer ihm Freunde erwirbt, erwirbt sie dem Menschen-geschlecht, deil größten Gütern desselben. Denn in Schillerkommt keine Spur vor von egoistischer Absonderung, von Unsrig-keit und Cliquenmacherei. Nur das ewig Gemeine geißelt er,mit allein Menschlichen war sein Herz verwandt, er schwärmtefür dasselbe*. Au ihm kannst du die geschwächte Flamme deines
* Das rein Menschliche! Es ist zu groß für viele, ich weiß esauch. Es ist ihnen zu abstrakt, zu allgemein, es kommt ihnen blaß undhohl vor. Sie wollen Begrenztheit, geschlossenes Wesen, wie sie sagen,Positives, Konkretes. Man muß ihnen recht geben. Ob sie aber darin rechthaben, daß sie meinen, jenem fehle der positive Inhalt? —Ihre Sehnsuchtnach geselliger Gemeinschaft treibt sie in Winkelgesellschaften, Konventikelhinein. Der Grundtrieb ist gut, aber dennoch geraten sie in die Borniert-