Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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294
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9.Zum Werke, das wir ernst bereiten,

Geziemt sich wohl ein ernstes Wort,"

nach dein Introitus die erstell Worte in der unsterblichenGlocke".

Es charakterisiert einen der großen Züge unsers Dichterswie jedes echten Lehrers. Der Ernst ist einer seiner Grund-eigenschaften. Was leistet, was ist er ohne ihn? Humor, Witzund Laune sind auch uns willkommen zur rechten Zeit, am rechtenOrt. Aber die Schule, das Wirkeu des Lehrers ist zu ernst, nichtnur für Spott uud Hohn, sondern auch für Witz und Satire.Dieses wichtige Wort sollten die pädagogischen Schriftsteller be-denken, die da meinen, der großeil Sache der Erziehung und desUnterrichts durch ihre Launeu und satirischeil Nackenschläge etwaswirkeil zu könueu! Doch an diesen Zügen erkennen wir es: nichtum die Sache ist es solchen zu thun, nur lim das Strohfeuerihrer Launen.Das Feuerwerk ist abgebrannt, und alles wiederin Nacht gesunken."

Von dem Verhältnis des Begriffes zum Gefühl, von ihremrelativen Werte in der Erziehung überhaupt, wie beim Leseil devheiligen Schrift, ist viel unter uns die Rede gewesen. Ich schloßmich ail die an, welche dem Herzeil den Primat mich im Unter-richt zuerkannten. Hören wir unfern Schiller darüber!

10.Klar ist der Äther und doch von unermeßlicher Tiefe,

Offen dem Aug', dem Verstand bleibt er doch ewig geheim."

11.Stimme des Ganzen ist deine Vernunft, dein Herz bist du selber,Wohl dir, wenn die Vernunft immer im Herzen dir wohnt."

12.Viele sind gut und verständig, doch zählen für einen nur alle,

Denn sie regiert der Begriff, ach, nicht das liebende Herz.

Traurig herrscht der Begriff, aus tausendfach wechselnden FormenBringet er dürftig und leer ewig nur eine hervor.

Aber von Leben rauscht es und Lust, wo bildend die SchönheitHerrschet, das ewige Eins wandelt sich tausendfach neu."

Schönheit* ist ihm der Inbegriff alles groß und edel Voll-brachten, des in sich Vollendeten. Anderwärts sagt er:AlleAufklärung des Verstandes verdient nur insofern unsere Achtung,

*Es giebt keinen andern Weg, den sinnlichen Menschen vernünftigzu machen, als daß man denselben zuvor ästhetisch macht."

Schiller in s. Briefen über ästhetische Erziehung d. Menschen.