Gesinnung. Diese war das Produkt einer frommen Erziehungdurch eine treffliche Mutter; die Urkräftigkeit seiner Natur aberverdankte er einem höheren als Menschen. Wo sie fehlt, da zeigtsich gleich die Ohnmacht der Erziehung. Ja, Freunde, auch wirvermögen etwas, nämlich da, wo der Herr den Acker bestellt hat.Sonst wollen unsere Künste eben auch nicht viel verfangen. DurchSitte, Gewohuheit, Beispiel und Veranstaltungen mancherlei Artkönnen wir den Knaben äußerlich und bis zu einem gewissenGrade auch innerlich (negativ) wohl erziehen, und was wir sogeleistet, verdient die Anerkennung derer, die es wahrnehmen;denn es entsteht nicht ohne Arbeit, Schweiß und edelnWillen — aber das Beste muß, um mit unserm Dichter zu reden,„aus dem Himmel, aus dem Schoß der Götter fallen". So sagtGoethe bei Eckermann, daß er es sich wohl bewußt werdenkönne, daß er ein größerer Dichter sei als Tiedge oder Tieck,er habe sich ja nicht selbst gemacht. Wenn darum nur alleEltern und Erzieher Respekt hätten vor der Natur, den Kindern,und den begabtesten im vorzüglichsten Maße, anerschaffen! Wennsie nur nicht zu viel machen, regieren, pussieren, dressieren, dozierenwollten! Wenn sie nur nicht die Meinung hegten, es käme allesaufs Lernen an! Aber diese Sätze sage man einem, der selbstnur Angelerntes besitzt und keine Ahnung hat von dem, was inangottbegabte Natur neunt! Es sind ihm leere, oder gar frecheRedensarten. Wollte man ihm nun gar den Satz anvertrauen(anvertrauen! — nur Menschen einfacher Natürlichkeit, umnicht zu sagen, edler Wesenhaftigkeit fassen, finden ihn —„Hochmut, hu hu"), deu Satz: daß Sitte, Herkommen und äußeresGesetz nicht jedes Menschen Thun und Lassen umgrenzen dürfen,so ist man seiner Verurteilung gewiß. Lassen wir darum dieses,weisen wir auf unser» Schiller hin, von ihm könnte er lernen,was wir meinen, und dadurch von seinem Irrtum geheilt werden.Wenn sich die edle Natur eines Menschen gegen die ihr angelegtenFesseln sträubt und sie abschüttelt, um den Mahnungen desGenius zu folgen, und zu vollbringen, wozu er sie berief; wennein Volk, urkräftig und in seinem Herzen ungebrochen, das Jochabwirst, das seine freie Entwickelung hemmt; wenn dort eine
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