Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
238
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Ihr müßt praktischer werden! Eure Missionscmstaltcnkann ich nur preisen, wenn ihr aufhört, dadurch die Aufmerk-samkeit und den Sinn der Teilnehmer von unfern Zuständenabzulenken und ins unbestimmte Weite hineinzutreiben, und wennihr uns dadurch nicht die Mittel entzieht, auf welche zunächstdie armen Menschen unter uns Ansprüche haben. Es istmeist ein ins Weite gehendes, unbestimmtes, unsicheres Treiben,das für Menschen sorgen will, die Tausende von Meilen von unsentfernt leben. Haltet euch au unsere Nähe, an das Elend unteruns, vor unseren Thüren, innerhalb unserer Stadt, prägt unserenHeiden die Grundsätze der Religion und der Tugend ein undhelfet sorgen, daß sie in eine äußere Lage kommen, welche manin Wahrheit als einen für so hohe Dinge empfänglichen Bodenansehen kann! Das ist notwendiger, sicherer, praktischer. Wenndieses geschehen ist, dann!*

* Der Unparteilichkeit wegen finde die Anmerkung, welche die evan-gelische Kirchenzeitung zu obigem Passus macht, hier eine Stelle. Manvergleiche und behalte das Richtige! Beide Ansichten schließen einander auchnicht aus.

Es wird ihnen (den Missionsfreunden) der Vorwurf gemacht, daß siedurch ihre Missionsthätigkeit die heimische Wohlthätigkeit paralisiere»,wenigstens schwächen. Der Vorwurf ist sehr kühn; denn man will bisherüberall die Erfahrung gemacht haben, daß die Missionsfreunde am meistenfür die heimischen Armen thun, und daß sich die Gegner der Missionssacheauch am wenigsten um die heimische Not kümmern. Und wenn dann dieMissionsfreunde jedenfalls in Reihe und Glied stehen mit den Gegnern ihrerSache, was heimische Wohlthätigkeit anlangt, so bleibt es immer sehr niedrigvon den letzteren, daß sie sich anmaßen, über die freien und höheren Liebes-werke der elfteren eine neidische Kontrolle zu führen. Was immer einhöherer Schwung und Blick christlicher Liebe dem Herrn opfert, davon heißt esimmer: dies Geld hätte besser mögen den Armen gegeben werden! Er (ich)ist immer der Meinung (?), erst müßten alle unsere einheimischen Heidenbekehrt werden, bevor man an die Bekehrung der auswärtigen denken dürfe.Nun, das wäre doch kläglich, wenn die Edlen unter den Heiden, die Menschender Sehnsucht, die ein weißes Erntefeld sind für die Predigt des Evan-geliums, alle vergebens warten sollten auf das Evangelium, weil es vielenin der alten Christenwelt nicht gefällt, sich zu bekehren. Dann könntendiese mit ihrem Unglauben, mit ihrem ewigen Widerstreben wider die Wahr-heit den heilsbedürftigen oder empfänglichen Heidenseelen den Trost und das