Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

ihre Lösung für eine der notwendigsten, dringendsten Ausgabender Zeit. Ich erblicke ohne ihre genügende Lösung die schlimmstenFolgen für alles Bestehende, für Gesetz und Recht, für Leben undEigentum, für alles, was groß und heilig ist in dem Bewußtseinder edelsten, einsichtsvollsten Menschen aller Zeiten. Ich schaue inden Abgrund einer vielleicht über unsere Fluren sich ergießendenRevolution. Wer den Inhalt dieses Wortes kennt, wird mitmir schaudern. Ein Freund der Bewegung, der Freiheit, der Evo-lution und der lebendigen Entwickelung der Nation und der Mensch-heit, kenne ich doch nichts GransenhaftereS, als wenn die Gewaltin die Hände des Pöbels und der rohen Kräfte gelangt. Ichbrauche dieses nicht ausznmalen. Aber dürfen wir unser Augevor dieser Gefahr verschließen? Dürfen wir uns dem Wahneüberlassen, daß die starken Erregungen und Bewegungen durchBefehle, Edikte, Ordonnanzen, Beschlüsse rc. entfernt und unterdrückt,oder in regelrechte Bahnen gelenkt werden? Ich fürchte, wir würdenuns sehr täuschen. Wären die Quellen, aus denen sie entstehen,durchaus schlechter, verwerflicher Natur, müßte nicht manches odervieles von dein, was inan will, von jedem vorurteilsfreien Mannegebilligt werden, und hinge dieses Bewußtsein nicht mit Gedanke,:an Edles und Großes zusammen: so wäre Hoffnung da, daßjener Versuch gelingen könnte. Aber unter den obwaltenden Um-ständen und nach der Natur des Menschen steht solches nimmer-mehr zu erwarten. Denn so ist der Mensch: er läßt sich durchMachtbefehle und Drohungen das Bewußtsein, das Rechte, das erkraft seiner Überzeugung ergriffen hat, anstreben zu dürfen, nichtrauben; vielmehr verstärkt der Widerstand seine Opposition, undste schlägt dann leicht zum Bösen und Verderblichen aus. Jeden-falls, wie inan auch die Sache betrachten mag und welches die überuns verhängte Zukunft fein möge, eine möglichst vollständige, wahreAufklärung über öffentliche Verhältnisse, über Staatsformen, Re-gierungsangelegenheiten, Gesetz und Recht rc. erscheint als eineunerläßliche Forderung, sobald die Menschen angefangenhaben, über diese großen Gegenstände nachzudenken.Nicht die Unterdrückung, selbst wenn sie möglich sein sollte, bringthier das Heil. Es liegt leicht auch ein Unrecht darin, weil man