Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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bilden ihn aus. Aber daß Tüchtigkeit des ganzen Menschen,Liebe zur Wahrheit und Tugend, überhaupt ein vollendetes Seinzur Produktion jedes höheren Kunstwerks erforderlich sei, daswußten wir nicht. Goethe lehrt es uns, er war ganz von demgroßen Gedanken durchdrungen: Nur der große Aken sch erzeugtgroße Werke.

Es befreit von Fesseln und Banden, dieses Buch. Denn eserlöset von angelerntem Buchstabenkram, von nachgesprochenenSätzen, bei denen man sich nichts dachte. Es lehrt glauben undvertrauen der Uroffenbarung der Natur und des menschlichenGeistes. Es weiset den Menschen, der sich bilden will, hin aufden Gebrauch seiner Sinne und auf die eigene Erfahrring, machtihn: jede fremde, die nicht aus derselben Quelle stammt, verdächtig,wenigstens vorsichtig in ihren: Gebrauch. Es ist ein Buch desSelbstvertrauens und des Mutes, der Energie und der Stärke.

Mail hat lange irr den: Wahne gestanden, ein Gott gebedein Künstler alle Gedanken ein, die Muse rede durch ihn, wiedurch ein blindes Werkzeug. Aber hier erkennen wir an deinBeispiel und den Bekenntnissen des größten deutschen Dichters,welch ein schweres Werk das Dichten sei, und daß es einenFleiß voraussetzt, wie nur wenige Menschen ihn üben mögen.Keine vier Wochen, gesteht der Dichterfürst, habe er in seinemLeben gefeiert und feiern können, und wir sehen, auch diesenAchtzigjährigen treibt noch die Energie. Ein lebenslänglich fort-gesetztes Streben, meint er großartig, verbürge die Fortdauer desGeistes und berechtige zu dieser Würde.

Nicht alles ist auch Goethe gewesen. Wer ist alles?Daruin haben einseitige Menscher: ihn von den verschiedenstenStandpunkten aus angefochten. Strenge Theologen haben denGlauben, Patrioten die nationale Gesinnung an ihn: vermißtund ihn hart darob angeklagt, andre haben ihn der aristokratischenGesinnung beschuldigt. Aber diese Mängel wenn es welchesürd trägt nicht er, sondern die menschliche 'Natur, die inkeinem Individuum alles vereinigt. Wäre es der Fall, ein solchesWesen wäre ein Gott. Danken wir dafür, daß uns irr ihm sovieles, wenn auch nicht alles, gegeben ist! Einzige Umständehaben sich vereinigt, diesen Goethe zu dein zrr machen, was er