Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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Auf dem hohen, freien Meere gewinnt man Übersichten;inan fühlt sich erhaben über die Enge des Augenblicks. Dasfreier gewordene Gemüt erstaunt, daß es oft von kleinlichenDingen sich in solchem Grade erregen oder gar bestimmen läßt,inan begreift es kanm, daß die Leidenschaften uns so leicht überdie Grenzen der Mäßigung Hinallstreiben. Noch mehr befremdetes uns, wenn wir auch hochgestellte Menschen im Strudel sichumtreiben sehen, sie, die sich über alle kleinlichen Verhältnissehinaufgehoben seheil, für welche tausend Köpfe denkeil, ihnen diebesteil Gedanken stets offenbarend. Daß die Schiffsknechte imuntersteil, engen Raum sich um ein Glas Branntwein zanken,oder um einen bequemeren Platz, da sie alle schlecht liegeil, unddie Luft um sie her dick und schwül ist, das setzt niemand inErstaunen. Weil» aber der Schiffskapitän an dem Steuerruderund mit dem Sehrohr in der Hand, für welchen der beste Platzim Schiffe bestimmt ist, auch voll so kleinlichen Leidenschaften er-griffen wird, wie ein Schiffsknecht, daun ist es anders. Fürsteilund Minister sind Kapitäne, wir sind Matrosen. So wird einemklar das Benehmen und der Standpunkt hoher und niedererBeamten. Jene haben sich in unserm Preußen von jeher durchHumanität, freien Geistesblick und hohe Ansichten ausgezeichnet.

Ein jeder Mensch hat seine Schicksale, schon als Kind, schonehe er geboren wird. Die Eltern sind das Schicksal der Kinder.Im gewöhnlichen Leben scheint es, daß die höchststehenden Per-sonen über das, was wir Schicksal nennen, erhaben seien; aberes ist nicht so. Kinder glauben oft, daß ihre Väter die höchsten,machtvollsten Personen der Welt seien; später sehen sie, oft mitzerrissenem Herzen, das Gegeilteil ein.

Jeder Mensch hat sein Schicksal. Der segelt mit stets frischemWinde, der kreuzt und laviert, der bewegt sich, aber er kommtnicht vorwärts. Gott gibt es einigen schlafend; andere versäumenden Aligenblick, in welchem der Genius ihnen erscheint. Obman das erreicht, was man anstrebt, man kann es ebensowenigwissen, als Ulan voraus weiß, was für Wetter morgen sein wird.Das aufrichtige, redliche Wolleiffmuß uns genügen; das Gedeiheilgibt Gott. Eül energischer Wille, im Dienste der gewonnenenlauteren Überzeugung, ist darum alles, was mail voll sich selbst,