Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

124

ziemlich begreiflich. Ich muß gestehen, einem der anwesendenEngländer eine kleine Beleidigung znzufügen, es hätte mich wenigerÜberwindung gekostet, als wenn es Deutsche gewesen wären.Warum? Darum , weil ihr Wesen, ihre Eigentümlichkeit mirfremd, von der meinigen verschieden war: Sprache, Lebensart,Sitte. Daraus schloß ich, daß mit der Zunahme dieser Ungleich-artigkeit, nicht bloß der Natnranlage, sondern zugleich der Bildungnach, es dem Menschen, der nicht reflektieren kann, leicht, jagewissermaßen natürlich werden muß, den tiefer stehenden, un-gleichartigen Menschen, der ihm wie ein Wesen andrer Art vor-kommt, mehr oder weniger, besonders wenn sein Egoismus dabeibeteiligt ist, wie eine Sache zu behandeln. Diese Vermutungsteigerte sich zur Gewißheit, als ich gleich nachher in einen: Neben-zimmer einige Mohren, die mit einen: amerikanischen Schiffe an-gekommen waren, beobachtete. Es gehört Reflexion dazu, umnicht, durch Habsucht verführt, unter diese Neger hinabznsinken.Durch diesen Gedanken wird das Betragen der Europäer gegendie Afrikaner, Amerikaner in Mexiko und Peru und an andern-Orten, zwar nicht entschuldigt, aber doch einigermaßen erklärt.Das Unbegreifliche, das für mich sonst an dieser Erscheinungklebte, ist verschwunden. Aber so viel begreife ich auch, daß nurauf die Nachricht, Blond- und Sonnenbewohner hätten auf den:Erdball gelandet, alle zu den Waffen greifen würden. Dochgenug, die Hitze hat sich gelegt, mit Vergnüge» lege ich daher dieFeder nieder, da ich reise, um zu sehen, nicht um zu schreiben.Lebe wohl!

8 .

Der Weg »ach Ropenhagen zurück bot, da ich nicht über dieSchlösser Friedrichsberg u. s. m. zurückreisen konnte, nichts Be-merkenswertes mehr dar. Von de» Mitreisende» interessiertemich ein Nausmann, der nach einander dänisch, deutsch, holländisch,französisch, englisch und schwedisch, und zwar geläufig sprach.Das will doch schon etwas sagen, und ich glaube, mit Recht hatman davor einigen Respekt. In meiner Jugend lernten die Söhneder Kanfleute meiner Vaterstadt, auch zu Kanflenten bestimmt,Latein, und zwar ei» wenig, wie es geschieht, wenn es mitden: sechzehnten Jahre anfhört. Jetzt fängt man nachgerade